Tarmed: Spitäler melden sich nochmals zu Wort – mit offenem Brief

Ein neuer Aufruf des Spitalsverbands H+ spricht Bundesrat Alain Berset direkt an. Er richtet sich insbesondere gegen geplante Grenzen bei der ordentlichen Behandlungsdauer.

, 1. August 2017, 09:37
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Die Vernehmlassung ist beendet, aber der Kampf der Leistungserbringer gegen den Tarmed-Eingriff hält an – auch am Nationalfeiertag. Kein Wunder: Laut zuverlässigen Informationen ist ein Bundesratsentscheid zur Tarmed-Struktur ab Mitte August zu erwarten, also innert weniger Wochen.
Der Spitalverband H+ nimmt also den 1. August zum Anlass, einen offenen Brief an Gesundheits-Minister Alain Berset zu senden und zu veröffentlichen: «Wir bitten Sie eindringlich, im Interesse der Bevölkerung auf einen voreiligen Eingriff in unser patientenfreundliches Schweizer Gesundheitssystem zu verzichten», heisst es im von H+-Direktor Bernhard Wegmüller und Vizepräsident Werner Kübler (USB) unterschriebenen Aufruf.


Die Spitalvertreter konkretisieren ihr Anliegen mit drei Szenarien: «Stellen Sie sich vor», so die Ansprache an Alain Berset, «Ihr Kind wird an einem Sonntag von einer Biene gestochen und reagiert allergisch.» Oder: «Stellen Sie sich vor, ein Elternteil von Ihnen hat Diabetes, einen zu hohen Blutdruck und zeigt nun erste Zeichen von Demenz». Und: «Stellen Sie sich vor, Sie hätten Krebs».
Alle drei Szenarien führen dann zur Aussage, dass die geplante 20-Minuten-Dauer für die ärztliche Konsultation und allfällige Zusatzarbeiten oder –abklärungen «schlicht nicht machbar» sind.
Die Tarmed-Pläne stellten die Bevölkerung also vor die Wahl, medizinische Einbussen in Kauf zu nehmen oder mehrfache zu Arztbesuche. «Beides wäre höchst zynisch und verachtend gegenüber den betroffenen Patienten».
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