Tarmed: Genfer Handchirurgen im Streik

Insbesondere die Karpaltunnel-Operation wird verweigert. Die Patienten müssen warten – oder ans Unispital und in Nachbarkantone ausweichen.

, 25. Januar 2018, 09:23
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Wer eine Karpaltunnel-Operation benötigt, muss in Genf jetzt lange warten – oder den Kanton wechseln. Die Genfer Handchirurgen sind in den Streik getreten. Grundsätzlich verweigern sie alle Eingriffe, die nicht zeitkritisch sind, insbesondere geht es aber um das Karpaltunnel-Syndrom.
Laut dem neuen Tarmed, gültig seit Jahresbeginn, wird die dadurch nötige Operation noch mit 105 Franken abgegolten – das sind 72 Franken weniger als beim alten Tarif. Damit lasse sich der Eingriff nicht mehr wirtschaftlich durchführen, so das Argument der Handchirurgen.

Geplant bis Februar

Schon im Rahmen der Vernehmlassung hatten die welschen Spezialisten darauf hingewiesen, dass der geplante Tarmed beim Karpaltunnel-Eingriff falsch rechne. Da werde eine Dauer von nur noch 34 Minuten eingesetzt – eine Zeit, die normalerweise deutlich überschritten wird, selbst wenn es keine Komplikationen oder anatomischen Abweichungen gibt.
Wie Radio RTS berichtet, sind in Genf bislang 250 Fälle solcher Operationen aufgelaufen. Der Streik soll bis Ende Februar fortgeführt werden – so dass sich die Zahl der betroffenen Patienten mindestens noch verdoppeln dürfte.

  • Das Paket von «RTS Info»: «Grève des opérations du tunnel carpien chez les chirurgiens genevois», 25. Januar 2018.

Die Patienten hätten meistens Verständnis und seien bereit, einige Wochen zu warten, berichtete Michaël Papaloïzos am Radio; er arbeitet im Handchirurgie-Zentrum CH8 und ist ehemaliger Präsident der Fachgesellschaft SGH. Obendrein seien die Ärzte auch bereit, für bestimmte Fälle Ausnahmen zu machen. 
Die Handchirurgen fühlten sich doppelt unter Druck, so Papaloïzos: Einerseits sollen sie immer mehr Eingriffe ambulant durchführen – andererseits werde beim ambulanten Tarif heruntergeschraubt.

Geiseln hier, Geiseln da

Mauro Poggia, der Genfer Gesundheitsdirektor, äusserte sich kritisch-sympathisierend: «Ich verstehe es, aber ich denke, dass der Kampf anders geführt werden muss.» Denn man dürfe nicht die Patienten in Geiselhaft nehmen. Die Öffentlichkeit habe Verständnis dafür, dass jemand, der eine aufwändige Ausbildung durchlaufen hat, auch eine entsprechende Honorierung verdient. Doch dies müsse halt mit den zuständigen Instanzen diskutiert werden.
Die ersten Geiseln seien die Handchirurgen, konterte Michaël Papaloïzos darauf – nämlich die Geiseln von Gesundheitsminister Alain Berset. Der Tarmed erlaube es ihnen nicht länger, die Arbeit wirtschaftlich zu erbringen. «Wir können nicht einfach sagen: Wir verlieren pro Eingriff 70 Franken.»
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