Spitalverbund Appenzell AR: Zwei Chefärzte weniger

Die Kliniken für Chirurgie und Orthopädie sowie für Anästhesie sollen einheitlicher geführt werden. Was sind die Ursachen? Was die Folgen?

, 14. August 2015 um 12:43
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Beim Spitalverbund Appenzell Ausserrhoden SVAR kommt es zu einer Vereinheitlichung in der Leitung. Die Klinik für Chirurgie und Orthopädie in Heiden und jene in Herisau werden bald standortübergreifend geführt; dasselbe gilt wenig später auch für den Bereich Anästhesie.
Konkret heisst dies, dass René Fuhrimann die Klinik für Chirurgie & Orthopädie sowohl in Heiden wie in Herisau leiten wird. Bislang amtierte er als Chefarzt Chirurgie in Herisau. Die Änderung gilt ab September.

Dünne Rentabilitäts-Decke

Wie der Spitalverbund weiter meldet, hat sich daher Michael Kodsi zur Kündigung entschlossen: Der jetzige Chefarzt der Klinik für Chirurgie & Orthopädie in Heiden scheidet per Ende August aus.
Der Verwaltungsrat erklärt die Zusammenlegung mit einer negativen betriebswirtschaftlichen Entwicklung im ersten Halbjahr 2015: Sie habe strukturelle und organisatorische Anpassungen aufgedrängt. Im letzten Jahr hatte der Verbund bei 131 Millionen Franken Umsatz ein Betriebsergebnis von 1,1 Millionen Franken erzielt.

Ausbau des Angebots

Mit der Zusammenlegung an der Spitze solle aber auch das Leistungsangebot erweitert werden, so die Mitteilung weiter. Konkret genannt werden dabei Viszeralchirurgie und Gefässchirurgie. Kaderärzte des Spitals Herisau werden dafür Sprechstunden anbieten, und in Heiden werden sie operative Eingriffe vornehmen.
«Ziel ist es, den langfristigen Erfolg des Spitals Heiden zu sichern und gleichzeitig den Entwicklungen im Gesundheitswesen und den Anforderungen der zuweisenden Hausärztinnen und Hausärzten Rechnung zu tragen», erklärt das Unternehmen.
Zur Steigerung der Einnahmen und Senkung der Kosten in Heiden seien weitere Massnahmen geplant – «damit das Spital Heiden betriebswirtschaftlich langfristig wieder erfolgreich geführt werden kann».

Mitarbeiter an beiden Standorten

Eine ähnliche Zusammenlegung folgt dann in einigen Monaten: John Essig, der Chefarzt der Klinik für Anästhesie am Spital Heiden, scheidet Ende 2015 aus. Er plant, eine selbstständige Tätigkeit zu übernehmen. Danach ist vorgesehen, dass auch die Kliniken für Anästhesie standortübergreifend geführt werden. Diese Leitung übernimmt im Januar 2016 Christoph Michel, der Chefarzt der Klinik für Anästhesie am Spital Herisau.
«Die Schaffung von Departementen für die Chirurgie sowie für die Anästhesie entspricht dem Verbundsgedanken des Spitalverbunds Appenzell Ausserrhoden und fördert die Nutzung von Synergien», so die Mitteilung. «Zudem ermöglicht dieser Entscheid eine effiziente Führung und optimiert die Kommunikation.»
Der Spitalverbund Appenzell Ausserrhoden beschäftigt an drei Standorten 1‘100 Mitarbeitende und stellt die medizinische Grundversorgung in Appenzell Ausserrhoden sicher. Zum SVAR gehören die beiden Akutspitäler in Herisau und Heiden sowie das Psychiatrischen Zentrum in Herisau.
Weiter sei die Zusammenführung ein Grundstein, um die Mitarbeitenden vermehrt an beiden Standorten einzusetzen.
Der Spitalverbund Appenzell Ausserrhoden hatte erst per Jahresbeginn eine Reorganisation durchgeführt. Dabei wurde die Geschäftsleitung von neun auf sieben Mitglieder verkleinert.

Wie weiter im Spital Heiden?

Im Hintergrund des jetzt angekündigten Schrittes steht die Kernfrage, ob das Akutspital in Heiden erhalten werden kann. Verwaltungsrat und Geschäftsleitung äussern sich überzeugt, dass Haus «mit den eingeleiteten Reorganisations-Massnahmen auch in Zukunft für die wohnortnahe Versorgung der Bevölkerung im Appenzeller Vorder- und Mitteland eine zentrale Rolle einnehmen und den Leistungsauftrag vollumfänglich erfüllen wird», so ein Fazit im Communiqué.
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