Spital verbietet seinen Ärzten Humbug-Medikament

Das Spital Riviera-Chablais (HRC) nimmt seine Ärzte an die Zügel: Sie dürfen den Corona-Patienten kein Hydroxychloroquin mehr verschreiben.

, 25. November 2020 um 10:50
image
  • spital
  • coronavirus
  • monthey
  • hrc
  • wallis
Harsche Töne in einem Westschweizer Spital: «Wir fordern alle leitenden Ärzte auf, die Verschreibung dieses Arzneimittels sofort einzustellen. Andernfalls sind wir gezwungen, Sanktionen zu verhängen.» So unmissverständlich äusserte sich Pierre-François Leyvraz, derzeit der Direktor des Hôpital Riviera-Chablais (HRC).

Walliser Kantonsarzt unterstützt Leyvraz

Laut «Le Matin» wollte ein Arzt des Ärztezentrums Chablais in Monthey das Malaria-Medikament Hydroxychloroquin zur Behandlung eines Covid-19-Patienten verschreiben. Das Ärztezentrum gehört zum Riviera-Chablais-Spital, das gemeinsam von den Kantonen Wallis und Waadt geführt wird.
Pierre-François Leyvraz begründete sein hartes Eingreifen damit, dass es keine wissenschaftliche Studie zum Nutzen des Medikaments gegen Covid-19 gebe. Unterstützt wird er vom Walliser Kantonsarzt Christian Ambord.

Im Frühjahr verschrieben es noch viele Spitäler

Grundsätzlich dürfen die Spitäler selber entscheiden, welche Arzneimittel sie verschreiben. Doch gemäss der Standesordnung der Ärztevereinigung FMH gelten «umstrittene therapeutische Praktiken als unzulässig, wenn sie unter Missachtung grundlegender Erkenntnisse der medizinischen Wissenschaft» erfolgen.
Im Frühjahr hat das HCR, wie viele andere Spitäler auch, das Medikament noch verwendet. Es gelangte damals zu Publizität, weil der französische Virologe Didier Raoult in Marseille angeblich Covid-Erkrankte mit dem Malaria-Mittel geheilt haben soll. Sein unorthodoxes Vorgehen stiess jedoch bald auf Kritik.

Mittlerweile zu riskant fürs Herz

Mittlerweile ist bekannt, dass Hydroxychloroquin, das auch in der Rheumatologie verwendet wird, für Covid-19-Patienten riskant ist. Swissmedic warnte vor allem bei Menschen mit Herzproblemen vor der Verschreibung des Medikaments.
Artikel teilen

Loading

Comment

2 x pro Woche
Abonnieren Sie unseren Newsletter.

oder

Mehr zum Thema

image

Zuger Kantonsspital mit Jahresgewinn

Die Zahl der stationären Patienten blieb im letzten Jahr praktisch unverändert.

image

Vorwürfe an die Insel-Leitung: Mangelhafte Qualitätskontrolle

Neue Vorwürfe an Schnegg, Pulver und Jocham: Sie hätten nichts dagegen unternommen, dass Insel-Patienten ein hohes Infektionsrisiko haben.

image

Neue Tarife für Psychiatrie-Kliniken

Psychiatrische Kliniken können künftig neben den Fallpauschalen weitere Leistungen separat verrechnen.

image

Nun müssen Spitäler besser werden

Erstmals haben die Spitäler und Krankenkassen einen Vertrag über die Qualität ihrer Arbeit abgeschlossen.

image

Die Insel ist das schnellste Spital der Schweiz

Zum 9. Mal verteidigte die Insel ihren Titel, die fittesten Angestellten zu haben: Sie gewann die Firmentrophy am Berner Stadtlauf.

image

Studie: Hohe Burnoutgefahr bei Notärzten

Knapp 60 Prozent weisen mindestens ein Burnout-Kriterium auf, über 10 Prozent hatten bereits Suizidgedanken.

Vom gleichen Autor

image

SVAR: Neu kann der Rettungsdienst innert zwei Minuten ausrücken

Vom neuen Standort in Hundwil ist das Appenzeller Rettungsteam fünf Prozent schneller vor Ort als früher von Herisau.

image

Kantonsspital Glarus ermuntert Patienten zu 900 Schritten

Von der Physiotherapie «verschrieben»: In Glarus sollen Patienten mindestens 500 Meter pro Tag zurücklegen.

image

Notfall des See-Spitals war stark ausgelastet

Die Schliessung des Spitals in Kilchberg zeigt Wirkung: Nun hat das Spital in Horgen mehr Patienten, macht aber doch ein Defizit.