Spital Ilanz: Ehemaliger Chefarzt kritisiert Arbeitsbedingungen

Vier bis fünf Wochen Arbeit ohne freien Tag: Für Ex-Chefarzt Patrick Mäder sind die Anstellungsbedingungen in der Surselva kaum noch attraktiv.

, 2. November 2016, 14:02
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Im April fiel der Entscheid: Patrick Mäder, seit ziemlich genau zehn Jahren Chefarzt Chirurgie-Orthopädie, verlässt das Regionalspital Surselva in Ilanz. Kurz zuvor war er im Rahmen einer Umstrukturierung beziehungsweise der AG-Gründung auch zum Mitglied der Geschäftsleitung geworden.
Zwei Monate später wurde bekannt, dass der Facharzt für Chirurgie im Medizinischen Zentrum Gleis D in Chur eine Praxistätigkeit aufnehmen will und zugleich als Belegarzt an der Klinik Gut und am Spital Thusis tätig sein wird. Zu Mäders Nachfolger in Ilanz wurde inzwischen Marcel Bundi vom Kantonsspital Aarau ernannt.

«Unverständliche Fehler»

In einem grossen Interview mit der «Südostschweiz» (Print) äussert sich Mäder jetzt recht drastisch zu den Ursachen für seine Kündigung. Er habe sich «nicht mehr mit der Art der operativen Umsetzung der strategischen Vorgaben identifizieren» können, sagte Patrick Mäder im Gespräch unmittelbar nach dem letzten offiziellen Arbeitstag. Dies wiederum «hing wesentlich mit dem Führungs- und Kommunikationsstil der obersten Spitalführung zusammen.»
Zum Beispiel seien «unverständliche Fehler in der Nachfolgevorbereitung und Ausschreibung der altershalber ausscheidenden Kaderärzte begangen» worden. 

«Für Interessenten wenig attraktiv»

Ein weiterer Punkt: Die Anstellungs- und Arbeitsbedingungen der Kaderärzte liegen in Ilanz – laut Patrick Mäder – unter dem schweizweiten Durchschnitt Sie seien somit «für Interessenten wenig attraktiv».
Dies führt zur zweiten Erklärung für seine Kündigung – nämlich die konstant hohe Arbeitsbelastung. Mäder erwähnt 180 24-Stunden-Dienste pro Jahr. «So habe ich zum Beispiel jeden Sommer vier bis fünf Wochen am Stück ohne freien Tag gearbeitet, um den Dienstbetrieb aufrechtzuerhalten». 

Warten auf den neuen CEO

Patrick Mäder betonte in der «Südostschweiz» aber auch, dass man unterscheiden müsse zwischen den Arbeitsbedingungen des Personals – und der Qualität der medizinischen Leistungen. Die Behandlungs- und Pflegequalität habe sich in Ilanz den letzten Jahren nochmals entscheidend verbessert. 
Erwähnt sei, dass im Regionalspital ohnehin ein weiterer Chefwechsel ansteht: Marcus Caduff wird Anfang 2017 Urs Kellenberger ersetzen; dieser geht in Pension. Caduff ist derzeit Leiter Unternehmensentwicklung und stellvertretender Departementsleiter im Kantonsspital Graubünden in Chur. 
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