Spitäler könnten mehr tun, um den Mangel an Fachkräften zu entschärfen

Fachkräftemangel im Gesundheitswesen – man mag es fast nicht mehr hören. Doch was machen die betroffenen Institutionen dagegen? Die Bemühungen, ältere Mitarbeiter über das AHV-Alter weiter zu beschäftigen, könnten besser sein.

, 12. April 2018, 19:41
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Vor sechs Jahren lancierte Wirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann eine Fachkräfteinitiative. Ein schlummerndes Arbeitskräftepotenzial ortete er unter anderem bei den Älteren, bei den Ü64.
Was unternehmen Gesundheitshäuser der Schweiz konkret für Anstrengungen, um die älteren Semester im Arbeitsprozess zu behalten?
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    Adrian Schmitter, CEO im Kantonsspital Baden: «Das KSB ist in der beneidenswerten Lage, offene Stellen ohne nennenswerte Probleme besetzen zu können.»

Das Kantonsspital Baden zum Beispiel kann es sich leisten, gar nichts zu unternehmen. CEO Adrian Schmitter schreibt dazu im Jahresbericht 2017: «Das KSB ist in der beneidenswerten Lage, offene Stellen ohne nennenswerte Probleme besetzen zu können.»
Auf die Frage, ob ältere Mitarbeiterinnen auch nach dem offiziellen Pensionierungsalter weiter arbeiten können, erklärt Marketing- und Kommunikationschef Omar Gisler: «Wir pflegen unsere Mitarbeitenden jeweils mit Dank für die geleisteten Dienste in den wohlverdienten Ruhestand zu entlassen, wenn diese das entsprechende Alter erreicht haben». Mit anderen Worten: Selbst wer möchte, kann beim KSB nicht übers AHV-Alter hinaus arbeiten.

29 Frauen sind über 64

Ganz anders im Berner Inselspital. Dort können Mitarbeitende über das reglementarische Pensionierungalter hinaus weiterarbeiten. «Dies wird eben gerade wegen dem Fachkräftemangel gefördert und unsere Anstellungsbedingungen sind darauf ausgerichtet», erklärt Nicole Stämpfli, Leiterin Personal. Immerhin 29 Frauen, die über 64 sind, machen derzeit davon Gebrauch.
Um aber Pflegepersonen ein Arbeiten über das ordentliche AVH-Alter hinaus schmackhaft zu machen, genügt es nicht, spezielle Arbeitsverträge abzuschliessen. Man muss auch die Möglichkeit schaffen, in der Pensionskasse zu bleiben und sich weiterversichern zu können.

Bis 70 in der Pensionskasse

Gerade Frauen, die lange teilzeit gearbeitet oder ihre Erwerbstätigkeit wegen Mutterschaft gänzlich unterbrochen hatten, haben häufig Lücken und kommen nur auf eine bescheidene Rente in der beruflichen Vorsorge. Viele unter ihnen müssten also ein Interesse daran haben, ihre Rente aufzuschieben, auch nach Alter 64 einzuzahlen, um damit eine höheren Pensionskassenrente zu erhalten.
Das weiss auch das Inselspital. Bei den Angestellten, die bei der Bernischen Pensionskasse (BPK), dem VSAO und der Pensionskasse SpitalNetz Bern versichert sind, ist eine Weiterversicherung bis zum 70. Altersjahr grundsätzlich möglich.
Auch bei den Spitälern des Swiss Medical Networks oder des Spitals Bülach können Pflegepersonen grundsätzlich über das AHV-Alter hinaus ihrem Beruf nachgehen, bis Alter 70 in der Pensionskasse versichert bleiben und dadurch ihre Rente aufbessern.

Weiterarbeiten ja; weiterversichern nein

Doch viele Spitäler ermöglichen zwar eine Weiterbeschäftigung, nicht aber eine Weiterversicherung in der Pensionskasse. Das gilt etwa für das Unispital Basel (UBS), die Lindenhofgruppe in Bern, das Luzerner Kantonsspital (LUKS), das Kantonsspital Graubünden oder die Universitätsklinik Balgrist in Zürich. Alle erklären sie: «Ja, man kann bei uns bis 70 arbeiten». Und: «Nein, eine Weiterversicherung im BVG ist nicht möglich.» Möglich ist allenfalls – aber nicht überall – die  Rente bis Alter 70 aufzuschieben und damit in die Gunst eines höheren Umwandlungssatzes zu gelangen. So etwa beim Kantonsspital Aarau. 
Immerhin: Im LUKS soll eine Weiterversicherung bis 70 mit der Revision des Reglements ab 2019 möglich sein
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    Manuela Ortner, Leiterin Ressort Pflege & MTT in der Spitalregion Rheintal Werdenberg Sarganserland: «Wir hatten sogar eine Person, die zu 20 Prozent bis zum 70 Lebensjahr bei uns gearbeitet hat.»

Von allen angefragten Spitälern sticht die Spitalregion Rheintal Werdenberg Sarganserland mit ihren Spitälern in Altstätten, Grabs und Walenstadt hervor. Nach Angaben von Manuela Ortner, Leiterin Ressort Pflege & MTT, werden ab dem 63. Lebensjahr Gespräche geführt, in denen mit den Mitarbeitenden besprochen wird, ob die Person länger arbeiten will und auch geeignet ist, über das AHV-Alter hinaus zu arbeiten.
Sie können dann verlangen, dass die Altersvorsorge bis zum Ende der Erwerbstätigkeit, längstens bis zur Vollendung des 70. Altersjahres weitergeführt wird. Und ja, auch in der Pensionskasse können die Angestellten der Spitäler in Altstätten, Grabs und Walenstadt bis 70 versichert bleiben, falls sie das wünschen. «Wir hatten sogar eine Person, die zu 20 Prozent bis zum 70 Lebensjahr bei uns gearbeitet hat», verrät Manuela Ortner
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    Hannes Wittwer, CEO von Senevita: «Als Folge der körperlichen Anforderungen sehnen sich die Pflegenden in der Regel nach der Pensionierung.»

Doch auch jene Institutionen, die die arbeits- und vorsorgerechtlichen Voraussetzungen schaffen, tun sich mehrheitlich schwer, ihre langjährigen Mitarbeiterinnen im Betrieb halten zu können. «Dann meist in kleinen Pensen oder im Stundenlohn», sagt Hannes Wittwer, CEO von Senevita, der zweitgrössten Anbieterin von Langzeitpflege und betreutes Wohnen. «Als Folge der körperlichen Anforderungen sehnen sich die Pflegenden in der Regel nach der Pensionierung.»
Dies sieht auch Manuela Ortner so. «Der Pflegeberuf ist ein sehr komplexer Beruf», sagt sie. «Wir stellen fest, dass der Grossteil gar nicht länger arbeiten will und sich zum Teil mit den hohen Anforderungen in der digitalen Dokumentation schwer tut.»

Das Seco zweifelt nicht am Frachkräftemangel

In der allgemeinen Wahrnehmung scheint keine Branche derart vom Fachkräftemangel betroffen zu sein, wie die Gesundheitsbranche. Interessant ist in diesem Zusammenhang, was CS-Ökonom Andreas Christen in einer Studie geschrieben hat. 
Er führte nämlich kürzlich zu diesem Thema bei KMU eine Umfrage durch: «Wir haben in unserer Umfrage tatsächlich festgestellt, dass KMU aus dem Gesundheits-, Bildungs- und Sozialwesen etwas weniger häufig Mühe bei der Kandidatensuche hatten, als KMUs aus anderen Branchen», erklärt der CS-Ökonom auf Anfrage. Christen räumt jedoch ein, dass immerhin fast die Hälfte der befragten Institutionen die Kandidatensuche als «eher oder sehr schwierig» empfand.
Zudem macht Andreas Christen darauf aufmerksam, dass im Branchenaggregat auch KMUs aus dem Bildungs- und Sozialwesen dazugehören, namentlich auch Kinderkrippen, Fahr- oder Tanzschulen. «Basierend auf der KMU-Umfrage würde ich nicht folgern, dass im Gesundheitswesen kein Fachkräftemangel herrscht», sagt Andreas Christen.
Keinen Zweifel am Fachkräftemangel hegt dagegen das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco). In einer 224 Seiten starken Studie stellt das Seco bei den Gesundheitsberufen einen «ausgeprägten Fachkräftebedarf» fest. Der Gesamtindex für Fachkräftebedarf sei im Quervergleich mit den übrigen Berufen am oberen Ende. 
Vor allem die Berufe der Humanmedizin und der Pharmazie weisen einen hohen Fachkräftebedarf auf. Ebenso können bei den Therapieberufen und den Berufen der medizinischen Technik, den Pflegeberufen und den tiermedizinischen Berufen Anzeichen für einen Mangel an Fachkräften beobachtet werden. Einzig bei den Zahnpflegeberufen kann das Seco keinen erhöhten Fachkräftebedarf festellen.  
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