Resistente Bakterien sind die grösste Sorge der Spital-Patienten

Aus der Sicht von Patienten sind gegen Antibiotika unempfindliche Keime ein wachsendes Problem in Spitälern. Dies besagt eine neue Umfrage. Viele Spitäler nutzen den Internationalen Tag der Patientensicherheit, um zu zeigen, was sie für die Prävention tun.

, 17. September 2015, 07:29
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Was bereitet Patienten bei einem Spitalaufenthalt die grössten Sorgen? Zum internationalen Tag der Patientensicherheit am 17. September 2015 haben die deutschen Asklepios Kliniken 1'000 Deutschen diese Frage gestellt. 
Das Ergebnis der repräsentativen Studie «Patientensicherheit - worauf es Patienten ankommt» lautet: 65 Prozent haben Angst, sich bei einem Krankenhausaufenthalt mit einem multiresistenten Keim anzustecken. Die Resultate der Umfrage im Einzelnen: 

  1. Ansteckungsgefahr mit multiresistenten Keimen (65 Prozent)
  2. Behandlungsfehler (49 Prozent)
  3. Verunreinigtes Operationsbesteck (35 Prozent)
  4. Komplikationen beim Eingriff (33 Prozent)
  5. Arzt übersieht aus Zeitmangel wichtige Informationen (30 Prozent)
  6. Fehler aufgrund Verwechslung/falscher Unterlagen (27 Prozent)
  7. Verabreichung falscher Medikamente (24 Prozent)
  8. Erneute Operation aufgrund von unbefriedigendem Ergebnis (14 Prozent)
  9. Fehlerhafte Bedienung medizinischer Geräte (11 Prozent)


Patienten bringen Erreger selber mit

Der Geschäftsführer der Asklepios-Kliniken Hamburg, Thomas Wolfram, weist auf das Hygienemanagement in den rund 150 Gesundheitseinrichtungen des Konzerns hin sowie auf zahlreiche Kontrollmaßnahmen und ein System zum Erkennen und Aufarbeiten von Fehlern. Gemäss Wolfram haben über 80 Prozent der Patienten, bei denen resistente Erreger festgestellt werden, diese in die Klinik gebracht. In den vergangenen Jahren hat die Verbreitung der so genannten gramnegativen multiresistenten Darmbakterien weltweit zugenommen. Diese sind darum gefürchtet, weil sie inzwischen auf die meisten Antibiotika nicht ansprechen.  

Schweizer Qualitätsoffensive

Infektionen, vergessene Fremdkörper oder Operationsfehler wie Seiten- oder Eingriffverwechslungen kommen auch in der Schweiz vor. In der Schweiz sterben nach Schätzungen des Bundesamts für Gesundheit (BAG) jedes Jahr rund 2000 Menschen an Spitalinfektionen. Mit der «Nationalen Strategie zur Reduktion von Spital- und Pflegeheiminfektionen (NOSO)» soll dem Einhalt geboten werden. 
Der Krankenkassenverband Santésuisse bemängelt indes, dass wesentliche Punkte zu wenig berücksichtigt seien. «Nur wenn Infektionen konsequent und kontinuierlich gemessen sowie die Resultate der Öffentlichkeit transparent zur Verfügung gestellt werden, besteht auf Seiten der Spitäler Druck zum Erzielen von Verbesserungen», schreibt Santésuisse.

Progress-Programme

Um die Qualität des Gesundheitswesens zu verbessern, hat der Bund unter dem Motto «Progress» mehrere Nationale Qualitätsprogramme eingeführt. 
Mit dem Pilotprogramm «Harnwegskatheter», das seit Anfang 2015 aufgebaut wird, soll die Zahl der Spitalinfektionen reduziert werden, zum Beispiel durch den bewussten Umgang mit Kathetern. Am Kantonsspital Aargau (KSA) zeigte sich, dass durch den restriktiven Einsatz von Blasenkathetern Harnwegsinfektionen markant gesenkt werden konnten
Das Programm «Sichere Chirurgie» will erreichen , dass bestehende Standards systematisch umgesetzt werden. Zehn Spitäler nehmen am Pilot teil; sein Ziel ist die ausnahmslose und korrekte Anwendung der Checkliste bei jedem invasiven Eingriff. 
Das Pilotprogramm «Sichere Medikation an Schnittstellen» dient dazu, Medikationsfehler an Schnittstellen zu verringern. Gemäss Bundesamt für Gesundheit (BAG) sind 30 bis 50 Prozent aller Fehler Medikationsfehler. Ein erstes regionales Programm zur Erhöhung der Medikationssicherheit wurde bei der Fédération des Hôpitaux Vaudois erfolgreich umgesetzt.

Die Handhygiene

Um Öffentlichkeit und Personal auf das Thema Patientensicherheit zu sensibilisieren, machen am Internationalen Tag der Patientensicherheit vom 17. September 2015 zahlreiche Spitäler, Kliniken und Heime auf das Thema aufmerksam. Viele Anlässe stehen unter dem Motto der Handhygiene. Hier sind einige davon - eine vollständige Liste ist auf der Internetseite der Stiftung Patientensicherheit zu finden. 

MehrBundesamt für Gesundheit - «Qualitätsstrategie im Schweizerischen Gesundheitswesen» Stiftung PatientensicherheitInternational Patient Safety Day .

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