Pharmamarkt Schweiz: Nicht mehr, aber teurer

Bei den kassenpflichtigen Arzneien stieg der Umsatz um fast 6 Prozent. Haupttreiber: Neue Krebsmedikamente und Mittel gegen Autoimmun-Krankheiten.

, 27. Januar 2017, 10:36
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Kaum mehr verkaufte Medikamente, deutlich höhere Umsätze mit Medikamenten: Dies eine Kernentwicklung auf dem Schweizer Pharmamarkt 2016. Während die Zahl der abgegebenen Packungen um 0,3 Prozent auf 187 Millionen Stück zunahm, stiegen die Umsätze um 4,7 Prozent: Zu Fabrikabgabepreisen wurden letztes Jahr Medikamente im Wert von 5,59 Milliarden Franken verkauft. 
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5,5 Milliarden Franken Umsatz im Jahr 2016: Entwicklung der Ex-Factory-Verkäufe in der Schweiz | Quelle/Grafik: Interpharma
Das Umsatzwachstum lag damit leicht tiefer als im Jahr zuvor, aber deutlich höher als 2014. Die Branchenverbände Interpharma und Vips erinnern dabei daran, dass wegen der Überarbeitung des Systems in den letzten beiden Jahren keine Preisüberprüfungen stattfanden. Auf der anderen Seite hätten Preissenkungen aus den Vorjahren das Umsatzergebnis mit –1,0 Prozent beeinflusst.
«Ab diesem Jahr werden die regelmässigen Preisüberprüfungen wieder aufgenommen, welche Preissenkungen zur Folge haben werden», sagt Thomas Binder, Geschäftsführer der Vereinigung Pharmafirmen in der Schweiz Vips: «Diese werden bei der Grundversicherung zu Einsparungen führen, die sich in den kommenden Jahren stabilisierend auf das Wachstum des Pharmamarkts auswirken werden.»
Der Markt der kassenpflichtigen Medikamente nahm im Vergleich zum Vorjahr um 5,9 Prozent auf rund 4,8 Milliarden Franken zu. 
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187 Millionen Packungen im Jahr 2016: Entwicklung des Packungs-Verkaufs in der Schweiz | Quelle/Grafik: Interpharma
Insgesamt ist klar: Im Schnitt wurden letztes Jahr teurere Medikamente verkauft. Dies sei insbesondere auf neue Medikamente gegen Krebs und Autoimmunkrankheiten zurückzuführen, melden die Pharmaverbände in ihrem Bericht.
Während 2015 das Marktwachstum in erster Linie auf neue Medikamente gegen Hepatitis C zurückzuführen war, trugen im letzten Jahr insbesondere Krebstherapien (+16 Prozent), aber auch Präparate gegen Autoimmunerkrankungen wie Multiple Sklerose (+11 Prozent) zum Wachstum bei.
Einen Umsatzrückgang verzeichnete 2016 die Gruppe der antiviralen Mittel (insbesondere Medikamente gegen Hepatitis C): Ihr Marktvolumen sank um 9 Prozent.
Pharmamarkt Schweiz: Die Absatzkanäle

  • Die Apotheken waren 2016 mit einem Anteil von 49,8 Prozent der wichtigste Absatzkanal,
  • gefolgt von den Ärzten mit eigener Praxisapotheke 26 Prozent)
  • und den Spitälern (24 Prozent).
Das stärkste Wachstum wurde bei den Spitälern verzeichnet (+10 Prozent).


Generika-Verkäufe: Wachstum im Rahmen 
In der Schweiz wurden letztes Jahr um 5,7 Prozent mehr Generika verkauft. Die Umsätze erreichten 666 Millionen Franken. Das waren 14 Prozent des kassenpflichtigen Markts. 
Bei den patentabgelaufenen Originalpräparaten lag das Marktvolumen bei 707 Millionen Franken. Hier betrug das Wachstum 11,5 Prozent.
Der gesamte generikafähige Markt – Generika, patentabgelaufene Originalpräparaten, patentabgelaufenen Medikamente, von denen es keine Generika gibt – umfasste ein Volumen von fast 1,85 Milliarden Franken (+4,8 Prozent). 
Der Marktanteil der patentgeschützten Medikamente lag bei 53 Prozent lag. Diese verzeichneten gegenüber 2015 ein Wachstum von 6,6 Prozent.
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