Pharmafirmen zahlten 134 Millionen Franken an Schweizer Ärzte und Kliniken

59 Arzneimittelfirmen gaben bekannt, welche Zuwendungen sie letztes Jahr an Gesundheits-Versorger und Fachgesellschaften leisteten – en detail. Jetzt liegen auch die aggregierten Zahlen vor.

, 7. Juli 2016, 04:00
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Stichtag war der 30. Juni – also der vergangene Donnerstag. In den Tagen davor schalteten die wichtigsten Pharma-Gesellschaften der Schweiz Listen auf, welche ihre Zahlungen ans medizinische Personal, an Kliniken und Ärzte, an Fachgesellschaften oder Medizin-Organisationen offenlegten. Im Hintergrund steht der neuen Transparenz-Kodex der europäischen Pharma-Branche. Er verpflichtet die Unternehmen ab diesem Jahr zur Offenlegung der erwähnten Zahlungen.
Nachschauen kann man nun, dass – beispielsweise – GlaxoSmithKline im letzten Jahr knapp 250 Personen und Organisationen Zahlungen zukommen liess. Die Spannweite erstreckte sich dabei von 482 Franken für die Maihof-Praxis in Luzern (ausgewiesen als «Sponsorship») bis zu 551'028 Franken für die European Respiratory Society (als «Donations» und «Sponsorships»).
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Beispiel GSK: Eine Seite der Offenlegungs-Liste
Oder, anderes Beispiel: Der Biotech-Konzern Actelion machte letztes Jahr Zuwendungen an knapp 130 Personen oder Organisationen, mit Beträgen zwischen 170 Franken (welche eine Lausanner Assistenzärztin an die Registration Fees einer Veranstaltung erhielt) und 130'703 Franken (die ans CHUV in Lausanne gingen).
Jetzt liegt auch die Zusammenfassung aller  Zahlen vor, erarbeitet vom Branchenverband Scienceindustries. Danach bezahlten die 59 Unternehmen, die sich in der Schweiz auf den Transparenzkodex verpflichteten, gut 134 Millionen Franken.

  • Davon waren 44 Millionen Beiträge für Forschungs- und Entwicklungs-Leistungen, das heisst: Die Mittel flossen beispielsweise in die Durchführung von klinischen Studien.
  • An Gesundheitsorganisationen gingen 75 Millionen Franken,
  • und für einzelne Personen des Gesundheitswesens waren 15,5 Millionen Franken bestimmt.  

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Beispiel Novartis Schweiz: Eine Seite der Offenlegungs-Liste
«Die Zahlungen zu Forschungszwecken beweisen die Wichtigkeit der Zusammenarbeit zwischen den Gesundheitsversorgern – etwa Spitäler im Bereich der klinischen Forschung – und der hiesigen Pharmaindustrie», sagt Marcel Sennhauser, der Kommunikationsverantwortliche von Sciencesindustries.
Zum Vergleich: In Deutschland betrug die Gesamtsumme der parallel erfassten Leistungen rund 575 Millionen Euro, also etwa 620 Millionen Franken; dort veröffentlichten insgesamt 54 Unternehmen ihre Zahlungen an Ärzte, Medizin-Gesellschaften oder Kliniken – ebenfalls diesen Juni.

  • Konkret schüttete die deutsche Pharma-Industrie für R&D-Massnahmen 366 Millionen Euro aus.
  • 119 Millionen gingen an Einzelpersonen für Vortragshonorare und Fortbildungen.
  • Und 90 Millionen Euro wurden für das Sponsoring von Veranstaltungen, Spenden und Stiftungen entrichtet (mehr dazu hier).

Dass die Summe in der Schweiz, gemessen an der Grösse, doch deutlich höher liegt, hat einen Hauptgrund: Laut dem Kodex müssen Zahlungen am Ort der Empfänger offengelegt werden. Und so werden hier auch überaus viele Zahlungen an internationale Fachgesellschaften und Organisationen mit Sitz in der Schweiz ausgewiesen – wie an die WHO oder eben die European Respiratory Society.
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