Pflege: Jetzt kommt das Uber der Senioren-Betreuung

Wer im Alter zuhause wohnen bleiben will, findet Hilfe im Internet: Silicon-Valley-Grössen stecken Millionen in ein neues Altenbetreuungs-System.

, 5. Mai 2015, 14:17
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Der erste Test ist soeben angelaufen – in der Nähe von San Francisco, wo sonst. Und geht es nach den Gründern der neuen Pflege-Plattform, so bietet «Honor» eine Lösung für die anstehenden Probleme der Altenbetreuung.
Die Idee: Eine App, in der freiwillige und berufliche Helfer zusammengeführt werden mit Senioren, die noch zuhause wohnen möchten. 
Es geht um klassische Pflegearbeiten, aber auch um Alltagsunterstützung oder einfach mal eine Ausfahrt.
Senioren und Helfer: Dass diese Parteien via Internet zusammengeführt werden, ist ja nichts Neues. Längst gibt es ja auch in der Schweiz Angebote wie «Seniorservice 24» oder «Senioren zuhause» oder «HomeInstead»

Prominente Geldgeber

Doch «Honor» ist offenbar anders. Das merkt man schon daran, dass sich führende Figuren der Tech-Welt an der Gründung beteiligen und bislang 20 Millionen Dollar an Kapital vorgeschossen haben – zum Beispiel Marc Andreessen, der «Netscape»-Erfinder und einer der wichtigsten Risikokapital-Geber im Silicon Valley. Oder Ron Johnson, der Chef der Apple-Stores. Oder Max Levchin, Miterfinder von PayPal. Oder Hollywood-Star Jessica Alba. Gestartet wurde das Projekt von Seth Sternberg, der durch den Verkauf einer Messenger-Systems an Google zum hundertfachen Dollarmillionär geworden war.
Das Besondere von «Honor» setzt sich nun aus diversen Punkten zusammen:

  • Wer Betreuung sucht, kann via «Honor» Personen finden, die in der Nähe zur Unterstützung bereit sind. Insofern ähnelt das Prinzip in der Tat dem Taxidienst Uber.
  • Beide Seiten bekommen ein eigenes Profil – und so können auch Pflegende via das Profil ihrer Patienten immer die anderen «Caregivers» auf dem neusten Stand halten.
  • Bei Bedarf kann man ausgewählten Verwandten Einblick ins Pflegedossier gewähren – so dass diese ebenfalls kontrollieren können, was in letzter Zeit so alles lief.
  • Im übrigen können die Senioren auf dem Profil alle ihre Anforderungen und Besonderheiten festlegen – Sprachkenntnisse, Haustiere, Frühstücks-Vorlieben et cetera.

Kurz: Die Information der Pflegenden soll ähnlich gut sein wie in einem Heim, wo ein Team über längere Zeit die Klienten betreut und sich direkt austauschen kann.

Der Clou: Gute Löhne fürs Pflegepersonal

Für das Pflegepersonal bietet «Honor» den Vorteil einer völligen Flexibilität – man braucht nur die präzisen Stunden einzutragen, in denen man arbeiten will (plus die Distanz, innerhalb der man Klienten besuchen will).
Besonders bemerkenswert: «Honor» will die Altenbetreuung ganz grundsätzlich aufwerten. Das Design der Website verströmt mit Absicht einen ähnlichen Appeal wie die Apple-Produkte, und insbesondere bietet das Unternehmen sehr hohe Stundensätze: Das Betreuungspersonal erhält 15 bis 17 Dollar pro Stunde (was fast doppelt so hoch ist wie der in den USA übliche Durchschnittslohn in diesem Bereich). 
Entsprechend bezahlen die Senioren rund 30 Dollar, also ebenfalls mehr als in der klassischen Pflege üblich.
Wir lernen also: Die Zukunft der Altenpflege bedeutet auch die Sicherstellung eines gewissen Niveau. Insofern unterscheidet sich «Honor» dann wieder vom Taxi-System Uber.
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