Stelle für Neurochirurgie-Chefarzt noch unbesetzt

Raphael Guzman aus Basel hätte offenbar die Leitung der Klinik für Neurochirurgie am KSA übernehmen sollen. Doch die Leitung ist weiterhin vakant.

, 11. Januar 2021 um 10:42
image
  • spital
  • neurochirurgie
Vor einem Jahr hat Javier Fandino das Kantonsspital Aarau (KSA) verlassen müssen – Knall auf Fall. Der ehemalige Chefarzt der Neurorchirurgie weiss bis heute nicht, warum sich das KSA von ihm trennte. Für ihn sei die Kündigung aus heiterem Himmel gekommen, die Gründe rätselhaft. Seit dem Weggang des Spitzenchirurgen ist die Stelle als Chefarzt und gleichzeitig die Leitung des Hirntumorzentrums am Kantonsspital unbesetzt.
Professor Fandino war für das KSA das stärkste Zugpferd für die Neurochirurgie im Einzugsgebiet. Er zählt unbestritten zu den Besten seines Fachs. Anderseits gibt es aber auch Mitarbeitende, die seinen Führungsstil kritisieren, was sich generell als Chefin oder Chef aber nie ganz vermeiden lässt.

Patienten gehen jetzt zu Hirslanden

Fandinos Weggang zog offenbar negative Folgen mit sich: Mit der Sache vertraute Quellen sagen, seit Fandino weg sei, habe das Spital Patienten an andere Spitäler verloren und deswegen gleichzeitig finanzielle Einbussen hinnehmen müssen. Bedingt durch die Corona-Krise lässt sich dies wahrscheinlich wohl aber kaum exakt beziffern. Und Hans-Jakob Steiger, der die Lücke in der Klinik für Neurochirurgie füllen sollte, operiere viel weniger als Fandino und sei am Wochenende kaum anwesend.
Von Medinside befragte Ärzte teilen aber auch mit: Mehr und mehr Patientinnen und Patienten lassen sich von Fandino bei Hirslanden operieren, seit er bei der Privatklinikgruppe tätig sei. Es sei ein «Eigentor» gewesen, die Zusammenarbeit mit ihm Knall auf Fall zu beenden.

Ärzte fürchteten um die Versorgung

Was sagt das KSA zu diesen Aussagen? Gemäss Spital hat der Weggang von Fandino keinen Einfluss gehabt, auch in finanzieller Hinsicht nicht. Und die neurochirurgische Versorgung im Einzugsgebiet sei immer sichergestellt gewesen und werde auch weiterhin sichergestellt.
In diesem Zusammenhang sei erwähnt, dass mehrere Ärzte des Neurozentrums im vergangenen April die Geschäftsleitung auf die neurovaskuläre chirurgische Versorgung aufmerksam gemacht haben. Sie befürchteten, ohne Stellvertretung und Dignität, Patienten abweisen zu müssen. Auch die Vergabe des HSM-Leistungsauftrags sei gefährdet, steht in einem Brief an die Geschäftsleitung zu lesen. Die Ärzte der Kliniken Neurochirurgie, Neurologie und Neuroradiologie präsentierten damals einen Lösungsvorschlag: personelle Unterstützung in Aarau durch eine Partnerklinik, zum Beispiel mit dem Universitätsspital Basel. 

Neubesetzung bald unter Dach und Fach

Wer beim Kantonsspital auf Javier Fandino folgt, ist noch unklar. Das Spital teilt auf Anfrage mit, dass die Nachfolgeregelung für die Chefarztposition in der Klinik für Neurochirurgie kurz vor dem Abschluss stehe. Sie werde bis Ende Januar bekanntgegeben. Wie Medinside zugetragen wurde, sei es offenbar bereits vor kurzem fast zum Vertragsabschluss gekommen: In der Poleposition soll Raphael Guzman gestanden haben. Der stellvertretende Chefarzt Neurochirurgie am Basler Unikinderspital habe allerdings aus unbekannten Gründen nachträglich abgesagt. Dies, obwohl er laut zuverlässiger Quelle bereits gewählt worden war. Auf Platz zwei der «Shortlist» soll Gerrit A. Schubert aus Aachen sein und auf Platz drei Serge Marbacher, der aktuelle interimistische Leiter der Neurochirurgie in Aarau.
Artikel teilen

Loading

Comment

2 x pro Woche
Abonnieren Sie unseren Newsletter.

oder

Mehr zum Thema

image

Hirslanden: Umbau an der Spitze – näher zu den Regionen

Hirslanden-Zürich-Direktor Marco Gugolz zieht als Regional Operations Executive in die Konzernleitung ein.

image

Was geschieht mit dem Spital Thusis?

Die Stiftung Gesundheit Mittelbünden sucht Wege aus der finanziellen Krise – beraten von PwC. Ein Entscheid soll im Herbst fallen.

image

CSEB: «Herausfordernd, aber zufriedenstellend»

Trotz roten Zahlen und leicht rückläufigen Patientenzahlen gibt sich das Center da sandà Engiadina Bassa optimistisch.

image

Spital STS: Hohe Patientenzahlen bewahren nicht vor Verlust

Sowohl stationär als auch ambulant gab es bei der Spitalgruppe Simmental-Thun-Saanenland 2023 einen Zuwachs.

image

Spital Lachen bricht Neubau-Projekt ab

Nun soll saniert statt neu gebaut werden – aus finanziellen Gründen, aber auch wegen der Flexibilität.

image

Spitalzentrum Biel: Sehr rote Zahlen wegen Sonderabschreiber

Andererseits war 2023 ein Wachstumsjahr für die SZB-Gruppe, es gab einen Rekordwert bei den Patientenzahlen. Und die dynamische Entwicklung setze sich 2024 fort.

Vom gleichen Autor

image

Arzthaftung: Bundesgericht weist Millionenklage einer Patientin ab

Bei einer Patientin traten nach einer Darmspiegelung unerwartet schwere Komplikationen auf. Das Bundesgericht stellt nun klar: Die Ärztin aus dem Kanton Aargau kann sich auf die «hypothetische Einwilligung» der Patientin berufen.

image

Studie zeigt geringen Einfluss von Wettbewerb auf chirurgische Ergebnisse

Neue Studie aus den USA wirft Fragen auf: Wettbewerb allein garantiert keine besseren Operationsergebnisse.

image

Warum im Medizinstudium viel Empathie verloren geht

Während der Ausbildung nimmt das Einfühlungsvermögen von angehenden Ärztinnen und Ärzten tendenziell ab: Das besagt eine neue Studie.