Musik ist ein gutes Schmerzmittel

Weniger Medikamente, weniger Stress: Musik fördert die Heilung von Patienten nach einer Operation. Dies belegt eine britische Studie erstmals eindeutig - und liefert neue Argumente für die Rolle von Musik im Operationssaal.

, 19. August 2015, 12:40
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Werden Patienten schon bald mit Kopfhörer in den Operationssaal gefahren? Britische Wissenschafter der Queen Mary University of London empfehlen dies. Sie haben den Einsatz von Musik vor, während und nach Operationen untersucht und kamen zu eindeutig positiven Schlüssen.

Tests mit 7'000 Patienten

Dazu nahmen sie die Ergebnisse aus 73 randomisierten klinischen Studien unter die Lupe und werteten sie aus. Geprüft wurden die postoperative Aufenthaltsdauer im Spital, der Bedarf an Schmerzmitteln und der Angstpegel der Patienten im Vergleich zur standardisierten Therapie nach einer Operation und anderen Behandlungen wie Massagen. An den Studien nahmen insgesamt gegen 7'000 Patienten teil, die nicht an Hals oder Kopf operiert worden sind. 
Gemäss den Autoren sind die Ergebnisse, die im Fachmagazin The Lancet publiziert wurden, eindeutig und zeigten erstmals den Zusammenhang zwischen Musik im Operationssaal und der Erholung des Patienten: Musik verringert nicht nur die Angst der Patienten, auch die postoperativen Schmerzen und der Schmerzmittelkonsum wurden vermindert. Patienten, die vor, während oder nach der Operation Musik hören, waren am Ende auch zufriedener mit der Behandlung. Die Aufenthaltsdauer im Spital wurde durch die Beschallung freilich nicht verkürzt. 

Sicher und günstig

Die Art der Musik und der Zeitpunkt der Beschallung machen kaum einen Unterschied aus. Lead-Autorin Catherine Meads kommentiert: «Viele Mediziner sind skeptisch, Musik bei Operationen routinemässig einzusetzen. Hoffentlich hilft die Studie, Vorbehalte abzubauen und die positive Wirkung von Musik aufzuzeigen.» Musik im OP sei sicher und günstig und sollte allen Patienten zur Verfügung gestellt werden - immer vorausgesetzt, dass die Arbeit des OP-Teams nicht beeinträchtigt werde.
Welche Art von Musik die Erholung am besten fördert, wurde nicht untersucht. Sie ist wohl vor allem eine Geschmacksfrage. Die einen genesen zu Madonna besser, andere zu Mozart. Die Autoren der Studie fänden es auf alle Fälle sinnvoll, dass Patienten ihre Smartphones oder iPods mit ihrer Lieblingsmusik ins Spital mitnehmen könnten und sich mit Erlaubnis des Personals vor, während oder nach der Operation beschallen lassen.

Warnung an die Profis

Die Studie heizt die Diskussionen über musikalische Beschallung im Operationssaal weiter an. Während Patienten offensichtlich profitieren, sollten die Profis vorsichtig sein. Vergangene wurde eine Untersuchung des des Imperial College London publik, wonach laute Musik im Operationssaal die Kommunikation im Operationsteam verschlechtert und die Eingriffe verlängert. 


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