Mehr Managed Care = weniger Spitaleintritte

Bedeuten alternative Kassenmodelle tatsächlich eine magerere medizinische Betreuung? Das wurde nun anhand von tausenden Schweizer Patienten erforscht. Heraus kam ein Lob der integrierten Versorgung.

, 13. Mai 2016, 12:31
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Managed-Care-Modelle helfen, die Kosten zu dämpfen. Aber wer solch ein Modell wählt, muss sich halt als Patient eher mit einer Billig-Medizin zufriedengeben. Dies eine sehr verbreitete Vorstellung über Sinn und Zweck, Nutzen und Risiko der alternativen Versicherungsmodelle.
Ob sie stimmt, ist dabei eher unklar. Es gibt zwar schon diverse Forschungsarbeiten, welche die Kostenfolgen von Integrated-Care-Modellen überprüft haben – aber die Frage der medizinischen Qualität blieb dabei meist aussen vor.
Ein Team des Instituts für Hausarztmedizin der Universität Zürich ging nun der Sache nach. Auf der Basis von Helsana-Daten verglichen die Forscher unter der Leitung von Thomas Rosemann die Entwicklung bei 12'000 Diabetespatienten, knapp 72'000 Menschen mit kardiovaskulären Erkrankungen sowie 17'500 Personen mit Atemwegserkrankungen. 

Carola A. Huber, Oliver Reich, Mathias Früh, Thomas Rosemann: « Effects of Integrated Care on Disease-Related Hospitalisation and Healthcare Costs in Patients with Diabetes, Cardiovascular Diseases and Respiratory Illnesses: A Propensity-Matched Cohort Study in Switzerland», in: «International Journal of Integrated Care», April 2016.

Im Hintergrund steht, dass diese chronischen Krankheiten nicht nur gesellschaftlich teuer sind, sondern auch geeignet für die Beurteilung eines langfristigen ärztlichen Managements. Als Test für die Qualität der Betreuung stellten sich die Uni-Zürich-Forscher eine konkrete Frage: Wie viele der Patienten mussten im Erhebungszeitraum wegen ihrer Krankheit ein Spital aufsuchen beziehungsweise rehospitalisiert werden?
Resultat: Die Daten brachten für Managed-Care-Modelle bessere Werte ans Licht. Deren Versicherte hatten bei einer Herz-Kreislauf-Erkrankung oder Diabetes mellitus ein signifikant tieferes Risiko, mit einer krankheits-bezogenen Diagnose hospitalisiert zu werden. Bei den Patienten mit Atemwegserkrankungen gab es indes keinen klaren Unterschied zwischen Menschen mit Standard-Versicherungen und Menschen mit Alternativ-Modellen.

Kosten im Schnitt um 10 Prozent tiefer

Ein zweiter Blick auf die Helsana-Daten ergab obendrein, dass die Krankenkassen-Kosten bei allen drei Chroniker-Gruppen geringer waren: Bei den Managed-Care-Modellen lagen die Kosten im Schnitt um 10 Prozent tiefer als bei den Standard-Verträgen (wobei die Unterschiede bei Diabetes offenbar am grössten waren). Hier decken sich die Ergebnisse der neuen Kohortenstudie mit früheren Untersuchungen, die Einsparungen im Bereich von 10 bis 20 Prozent festgestellt hatten.
«Wenn Ärzte Budgetverantwortlichkeit übernehmen für ihre Patienten – wie dies im Rahmen eines Managed-Care-Modell geschieht –, dann scheint es so zu sein, dass diese Patienten besser koordiniert sind, davon gesundheitlich profitieren und auch weniger Kosten entstehen», fasste Thomas Rosemann in einem Gespräch mit dem Medix-Blog die Erkenntnisse zusammen. 

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