Mediziner meiden Aktien – warum eigentlich?

Sie sind anspruchsvoll, aber auch vorsichtig: Ein Spezialist für die Vermögensverwaltung bei Gesundheits-Profis verriet ein paar interessante Einsichten über seine Klientel.

, 28. September 2015 um 15:44
image
  • ärzte
  • lohn
  • finanzen
Peter Wirth weiss, wie Mediziner Geld anlegen. Denn er arbeitet bei der Deutschen Apotheker- und Ärztebank, einer Genossenschaftsbank, die sich explizit an Menschen aus Medizinberufen, an deren Angehörige sowie an die Standesorganisationen der Heilberufe richtet. 
Unlängst gab der Asset-Management-Spezialist also «Medscape Deutschland» ein Interview zur Frage, wie dieses Publikum mit seinem Geld umgeht. Tatsächlich gibt es diverse Aspekte, welche die Anleger aus dem Gesundheitswesen verbindet: Sie haben einerseits stabile Verhältnisse – ihr Einkommen schwankt nicht sehr mit der Konjunktur.  
Auf der anderen Seite, so Wirth, seien Ärzte aber auch sehr anspruchsvolle Kunden. Dies zum einen wegen ihrer akademischen Bildung, «zum anderen weil sie bei anderen Banken auch als besondere Kunden gelten.» 
Was auch heissen könnte: Sie sind umworben, folglich recht verwöhnt. 
Grundsätzlich seien die Kunden in diesem Segment «zuerst einmal risikoscheu». Viele hätten noch vor Augen, was sich in früheren Jahren an den Kapitalmärkten ereignet hat und seien daher gewarnt.
Das Interview: «Ärzte als Anleger: Risikoscheu trotz soliden Einkommens», in: «Medscape Deutschland»
Speziell an seiner Kundschaft, so Wirth weiter, sei zudem, dass ihr oft sehr daran gelegen ist, in den medizinischen Bereich zu investieren: Hier kennen sie sich aus, hier können sie selber auch die Lage gut einschätzen. 
Banker Wirth: «Der Gesundheitsmarkt zeigt ausserdem ein starkes Wachstum bereits über einen langen Zeitraum. Die demografischen Trends deuten darauf hin, dass diese Entwicklung bestehen bleibt. Schliesslich unterliegt die Branche keinen starken Konjunkturschwankungen, genau wie unsere Kunden selbst.»
Grundsätzlich, so eine Erkenntnis des Finanzspezialisten, machten sich Ärzte oft nicht bewusst, dass sie ihr Geld eigentlich für einen längeren Zeitraum für Anlagen zur Verfügung haben. 
Das heisst: Vielfach wählen sie wieder und wieder kürzere Anlagen, teilweise über 20 Jahre hinweg, wobei die Altersvorsorge und die Ausbildung der Kinder als wichtigste Sparziele darstellten. 

Stabiles Einkommen, ferne Sparziele

Kurz: Es liegt also ein stabiles Einkommen vor – auf der anderen Seite liegen die Sparziele in einer recht fernen Zukunft. Und folglich «steht das Geld realistisch gesehen zwischenzeitlich auch für Aktienanlagen zur Verfügung», so Wirth. Denn die Aktie ist bekanntlich die Anlageform, in die man jenes Geld investiert, das man notfalls auch zehn Jahre lang nicht benötigen würde.
Eine Konsequenz ist also: Wenn das Geld allerdings zu einem festen Zeitpunkt in der näheren Zukunft ausgegeben werden soll, wäre es fatal, sich auf Aktien zu konzentrieren, die den Anleger unter Umständen mit Verlusten zurücklassen.
Artikel teilen

Loading

Comment

2 x pro Woche
Abonnieren Sie unseren Newsletter.

oder

Mehr zum Thema

image

Ärztemangel: Bern drohen weitere Versorgungsengpässe

Auch Fachgebiete wie die Endokrinologie, Gynäkologie und Rheumatologie sind zunehmend betroffen. Das zeigen aktuelle Zahlen der Ärztegesellschaft des Kantons Bern.

image

SAMW: Drei neue Ehrenmitglieder

Der Senat wählte zudem Arnaud Perrier zum neuen Präsidenten der Schweizerischen Akademie der Medizinischen Wissenschaften.

image

Aargauischer Ärzteverband: Neuer Präsident

Der Nachfolger von Jürg Lareida heisst Thomas Ernst.

image

Das sind die SGAIM-Preisträger

Die Schweizerischen Gesellschaft für Allgemeine Innere Medizin hat fünf Projekte mit Fokus «Sonografie» ausgezeichnet.

image

Hausarzt wehrt sich gegen Klima-Behauptungen

Ein Zeitungsartikel suggeriert, dass wir uns zwischen Gesundheit und Klimaschutz entscheiden müssten. Ein Arzt aus dem Emmental widerspricht.

image

Verurteilt: Berner Pflegefachfrau gibt sich als Ärztin aus

Im heimischen Sprechzimmer stellte sie Atteste aus und versuchte sich als Ärztin. Damit reiht sie sich ein in eine lange Liste von «Hochstaplern in Weiss».

Vom gleichen Autor

image

Überarztung: Wer rückfordern will, braucht Beweise

Das Bundesgericht greift in die WZW-Ermittlungsverfahren ein: Ein Grundsatzurteil dürfte die gängigen Prozesse umkrempeln.

image

Kantone haben die Hausaufgaben gemacht - aber es fehlt an der Finanzierung

Palliative Care löst nicht alle Probleme im Gesundheitswesen: … Palliative Care kann jedoch ein Hebel sein.

image

Brust-Zentrum Zürich geht an belgische Investment-Holding

Kennen Sie Affidea? Der Healthcare-Konzern expandiert rasant. Jetzt auch in der Deutschschweiz. Mit 320 Zentren in 15 Ländern beschäftigt er über 7000 Ärzte.