Liechtenstein: Ärzte kündigen die OKP-Verträge

Auch im Nachbar-Ländle wird um Taxpunktwerte und den Einfluss der Krankenkassen gestritten.

, 7. Dezember 2016, 11:17
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Nicht nur in diversen Schweizer Kantonen wird heftig um die Taxpunktwerte im ambulanten Bereich gestritten – auch in Liechtenstein ist dies der Fall. Der Krankenkassenverband LKV und die Liechtensteinische Ärztekammer konnten sich nicht auf einen Taxpunktwert einigen, so dass die Landesregierung nun entscheiden muss.
Wie das «Liechtensteiner Vaterland» nun erfuhr, beschlossen die Ärzte obendrein fast einstimmig, die OKP-Verträge mit dem Krankenkassenverband zu kündigen. Dahinter steht, dass eine neue gesetzliche Verordnung den Kassen nach Ansicht der Ärzte zu grossen Einfluss auf ihre Arbeitsbedingungen gewährt, «etwa in Form minimaler oder maximaler Arbeitszeiten», so das «Vaterland».

Vertragsloser Zustand

Das heisst, dass sich die Liechtensteiner Ärzte ab Januar in einem vertragslosen Zustand befinden dürften. Zugleich wollen die Ärzte auch nächstes Jahr weiterhin den bisherigen Tarif anwenden.
Eine Bestätigung der Ärzte gab es nicht. «Wir befinden uns in Gesprächen mit der Regierung zum Tarifvertrag und zur KVV-Ausgestaltung. Aufgrund der laufenden Verhandlungen werden wir Spekulationen und Gerüchte nicht weiter kommentieren», sagte der Geschäftsführer des Ärzteverbandes, Stefan Rüdisser, zum «Liechtensteiner Vaterland» wie zum «Volksblatt».

«Gerüchte und Mutmassungen»

Der zuständige Minister Mauro Pedrazzini vermutet, dass falsche Informationen und Gerüchte die Ärzte provoziert hätten: «Derzeit sind die Ärzte durch Gerüchte und Mutmassungen verunsichert und entsprechend aufgebracht. Es ist praktisch unmöglich für das Ministerium, jedem Gerücht öffentlich entgegenzutreten», sagte er gegenüber dem «Volksblatt»
Falsch sei etwa die Behauptung, bei der geplanten Verordnungs-Änderung werde ein maximaler Umsatz vorgesehen. «Ich erwarte hier von den Ärzten, dass sie nicht alles glauben und sich über die tatsächlichen Fakten informieren», so Pedrazzini. 
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