Konkurs: Praxisgruppe im Kanton St. Gallen gibt auf

Die Camor Care AG musste Zahlungsunfähigkeit anmelden. Die angeschlossenen Arztpraxen dürften aber gerettet werden.

, 21. September 2017, 06:00
image
  • praxis
  • ärztezentren
  • st. gallen
Zur Camor Care AG gehören drei Arztpraxen im St. Galler Rheinthal. Entstanden war die Praxisgruppe durch die Übernahme von Hausarztpraxen, deren Betreiber eine Nachfolgelösung suchten. Camor Care, geleitet vom ehemaligen Kirchen-Mitarbeiter Bernhard Dostal, übernahm 2015 erst den Betrieb des Hausarztes Rolf Nägeli in Rüthi, dann folgten im Herbst 2015 und im Frühjahr 2016 noch zwei Praxen in Rebstein und in Altstätten.
Wie das «St. Galler Tagblatt» nun berichtet, musste das Unternehmen nun aber zu Wochenbeginn den Konkurs anmelden. Zu den Hauptschuldnern zählen eine Bank, ein Pharmalieferant und eine Laborgruppe.
Dostal hatte seine Firma um die Ideen des amerikanischen Arztes, Komikers und Gesundheits-Aktivisten Patch Adams aufgebaut. Obwohl als AG installiert, sollte Camor Care nicht profitorientiert sein: «Es gibt keine Gewinnausschüttung an Betreiber oder Investoren, die Angestelltengehälter sind gedeckelt», so die Erklärung des Unternehmens

Fazit: Es braucht 7 bis 10 Praxen

Die drei Arztpraxen können wahrscheinlich weitergeführt werden. Die Praxis in Altstätten wird vom früheren Besitzer Reto Gross zurückgekauft, jene in Rüthi übernahm das Ärztepaar Christian und Sabina Simma. Und die Praxis in Rebstein soll künftig die Bündner Medical Center Maienfeld AG betreiben; sie führt bereits in Malans und Maienfeld Arztpraxen mit erweiterter Grundversorgung.
Bernhard Dostal begründet die Zahlungsprobleme im «St. Galler Tagblatt» mit einem Umsatzrückgang, mit wechselndem Personal sowie damit, dass viel Geld in ein Klinikprojekt für Menschen mit Stressfolgeerkrankungen gesteckt wurde. Die Idee, Arztpraxen als Basis der geplanten Klinik zu betreiben, habe sich als untauglich erwiesen. «Es scheint, dass erst ab einer Grösse von sieben bis zehn Arztpraxen eine zentrale Verwaltung betriebswirtschaftlich Sinn ergibt», so eine Medienmitteilung von Camor Care. 
Artikel teilen

Loading

Comment

2 x pro Woche
Abonnieren Sie unseren Newsletter.

oder

Mehr zum Thema

image

St. Galler Handchirurgie hat bald wieder einen Chefarzt

Nach dem Abgang von Jörg Grünert hat das Kantonsspital St. Gallen einen neuen Chefarzt für die Hand- und Wiederherstellungschirurgie gefunden.

image

Alterswohnsitz Bürgerspital pflegt Senioren für einen «Augenblick»

Die Ortsbürgergemeinde St.Gallen integriert eine Tages- und Nachtbetreuung in das bestehende Angebot. Es soll Angehörige entlasten – doch wer bezahlt?

image

Das Rennen ums beste E-Rezept

Nachdem sich Onlinedoctor letzte Woche für das erste E-Rezept gerühmt hat, zeigt sich: Auch andere Anbieter haben E-Rezepte – einfach ein bisschen anders.

image

Keine freie Apothekenwahl bei neuen E-Rezepten

Das Teledermatologie-Unternehmen Onlinedoctor stellt neu elektronische Rezepte aus. Diese lassen derzeit aber noch keine freie Apothekenwahl zu.

image

So sieht eine Kinderpraxis mit Design-Preis aus

Eine Solothurner Arztpraxis hat den renommierten Designpreis «Red-Dot-Award» erhalten. Medinside zeigt, wie die preisgekrönte Gestaltung aussieht.

image

Drei Fragen an...die FMH-Präsidentin Yvonne Gilli

Yvonne Gilli möchte sich ihre ärztliche Freiheit nicht mit noch mehr Gesetzen einschränken lassen. Als FMH-Präsidentin könne sie Gegensteuer geben, hofft sie.

Vom gleichen Autor

image

Brust-Zentrum Zürich geht an belgische Investment-Holding

Kennen Sie Affidea? Der Healthcare-Konzern expandiert rasant. Jetzt auch in der Deutschschweiz. Mit 320 Zentren in 15 Ländern beschäftigt er über 7000 Ärzte.

image

Wer will bei den Helios-Kliniken einsteigen?

Der deutsche Healthcare-Konzern Fresenius sucht offenbar Interessenten für den Privatspital-Riesen Helios.

image

Deutschland: Investment-Firmen schlucken hunderte Arztpraxen

Medizin wird zur Spielwiese für internationale Fonds-Gesellschaften. Ärzte fürchten, dass sie zu Zulieferern degradiert werden.