Junge Hausärzte wollen nicht aufs Land? Stimmt doch nicht.

Eine Erhebung unter Nachwuchs-Medizinern zeigt: Überschaubare Gruppenpraxen sind mit Abstand am attraktivsten – und natürlich Teilzeit-Möglichkeiten.

, 1. März 2017 um 10:00
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Wie möchten Nachwuchs-Hausärzte arbeiten? Einen neuen Eindruck darüber bietet nun eine Erhebug unter Mitgliedern der Jung-Ärzte-Organisation JHaS. Dabei gingen Vertreterinnen und Vertreter des Berner Instituts für Hausarztmedizin 443 junge Mediziner an – und sie erhielten 270 Antworten, davon 71 Prozent von Frauen.
Wie schon bei einer ähnlichen Befragung vor fünf Jahren war eines klar: Die Gruppenpraxis ist den meisten das liebste Ziel. Sie wurde von 86 Prozent der Befragten als bevorzugtes Arbeitsumfeld gewählt. 11 Prozent neigten zur Doppelpraxis – und nur noch 2 Prozent würden heute die Einzelpraxis anstreben.
Die Grösse der Praxis sollte dabei überschaubar bleiben: Fast alle Befragten (93 Prozent) strebten eine Gruppenpraxis mit zwei bis fünf anderen Kollegen an.
Das Team um Sven Streit legte den Befragten auch Stelleninserate von Gruppenpraxen vor: Was ist attraktiv, worauf spricht man an? Auf Inserate, die durch Begriffe wie «familiär» und «gut eingespieltes Praxisteam mit 5 MPAs» eine kleine Gruppenpraxis andeuten. Sie wurden von vier Fünfteln der jungen Ärzte als attraktiver beurteilt als jene Inserate, die eine grosse Praxis vorgaben.
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Welche Aspekte galten bei Inseraten für Gruppenpraxen attraktiv | Grafik: Aus der Studie / SAEZ
Bei den fiktiven Inseraten zogen die Nachwuchs-Mediziner ferner die ärzteeigenen Praxen klar vor (89 Prozent).
Als wichtigste Faktoren für die Wahl der Praxis wiederum galten das Arbeitsklima (dieser Aspekt wurde von drei Vierteln der Befragten angekreuzt), dann der Standort, das Arbeitspensum und die Infrastruktur.
Nicht ganz den gängigen Vorstellungen entsprachen wohl die Antworten nach der Lage: Auf dem Land zu arbeiten gilt durchaus als attraktiv – 43 Prozent stellen sich vor, dereinst in ländlichen Gebieten zu praktizieren. Die Agglomeration würden 40 Prozent wählen, und nur 17 Prozent nannten die Stadt als Zielort.
Wenig erstaunlich andererseits, dass die jungen Ärzte nach Teilzeitlösungen streben: Das «Wunschpensum» lag in der Umfrage bei durchschnittlich 70 Prozent. Die Männer kamen dabei auf einen Durchschnittswert von 78 Prozent, die Frauen auf 66 Prozent (dies bei einer Basis von 50 Wochenstunden).
Ein sehr grosser Anteil zeigte sich wiederum bereit, Hausbesuche auch ausserhalb eines Notfalldiensts zu machen: 76 Prozent antworteten mit «ja» oder «eher ja».

Fazit: Teilzeit & Co-Besitz

Insgesamt kommen die Autoren zum Schluss, dass die Teilzeit-Angebote immer noch eine der besten Möglichkeiten sind, um junge Allgemeinpraktiker zu gewinnen.
Wer andererseits eine Nachfolgelösung sucht – so ein weiteres Fazit –, sollte offen dafür sein, die Praxis mit anderen zusammenzulegen oder sie in eine Gruppenpraxis zu wandeln. Oder aber er sollte junge Ärzte anstellen und ihnen dann die Möglichkeit eröffnen, Mitbesitzer oder später Besitzer zu werden.
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