Jetzt offiziell: Teure Hepatitis-C-Mittel für weitere Patienten-Gruppen

Abbvie senkt im Gegenzug die Preise für Viekirax und Exviera. Zugleich macht das BAG Druck auf Gilead, bei seinen H-C-Medikamenten ebenfalls nachzuziehen.

, 27. Juli 2015, 14:29
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Die Vergütung bestimmter Arzneimittel gegen Hepatitis C wird auf neue Patientenkreise ausgeweitet. Das Bundesamt für Gesundheit hat eine Erweiterung der Kostenübernahme durch die obligatorische Krankenpflegeversicherung für die Kombination Viekirax und Exviera sowie von Olysio beschlossen. Diese Limitationserweiterung gilt ab kommendem Samstag. 
Auf der anderen Seite geht die Erweiterung mit mit einer Senkung der Behandlungspreise einher. Die erzielten Einsparungen sollten sich auf 24 bis 40 Millionen Franken pro Jahr belaufen, meldet das BAG. 

Jährlich 900 Patienten mehr können behandelt werden

Bisher war die Kostenübernahme bei Arzneimitteln der neuen Generation gegen Hepatitis C (Viekirax und Exviera, Harvoni, Olysio und Sovaldi) Patientinnen und Patienten mit fortgeschrittener Lebererkrankung (Fibrosegrad 3 oder 4) vorbehalten.
Künftig können sich auch Patientinnen und Patienten mit Fibrosegrad 2 die Behandlung mit der Kombination Viekirax und Exviera vergüten lassen. Diese Indikationserweiterung gilt auch für Olysio. Das BAG schätzt, dass dadurch künftig etwa 900 Personen pro Jahr zusätzlich behandelt werden können.

16'000 Franken weniger pro Behandlung

Die Erweiterung der Kostenübernahme entspreche den Empfehlungen der Fachleute, argumentiert das Bundesamt. Die Schweiz sei somit eines der ersten europäischen Länder, das die neuen Voraussetzungen in Verbindung mit einer Preissenkung einführt.
Das Pharmaunternehmen Abbvie, das Viekirax und Exviera herstellt, hat sich bereit erklärt, den Vorschlag des BAG anzunehmen. So konnte der Preis der Behandlung, die in der Regel 12 Wochen dauert, von 62'000 Franken auf 46'000 Franken gesenkt werden. Olysio, hergestellt von Janssen-Cilag, befand sich bereits auf einem tiefen Preisniveau.

«Preispolitik überdenken»

Gilead, der Hersteller von Sovaldi und Harvoni, ist dagegen bisher nicht auf die Vorschläge des BAG eingegangen. Die Vergütung dieser beiden Arzneimittel bleibt somit auf Patientinnen und Patienten mit fortgeschrittener Lebererkrankung (Fibrosegrad 3 und 4) beschränkt. «Gemeinsam mit allen in diesem Bereich tätigen medizinischen Gesellschaften und den betroffenen Patientinnen und Patienten ruft das BAG das betroffene Unternehmen dazu auf, seine Preispolitik zu überdenken», so das BAG.
Das BAG rechnet damit, dass es in den nächsten Jahren immer öfter vorkommen wird, dass Arzneimittel aufgrund sehr hoher Preises gezielt oder gestaffelt in die Spezialitätenliste aufgenommen werden müssen, damit ein möglichst gutes Kosten-Wirksamkeits-Verhältnis erreicht wird. Die meisten europäischen Länder haben bei der Einführung der neuen Hepatitis-C-Therapien aufgrund ihres ausserordentlich hohen Preises eine Beschränkung auf Fibrosegrad 3 und 4 beschlossen; manche Länder kennen auch globale Behandlungsbudgets. 

  • Zur Mitteilung des Bundesamts für Gesundheit

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