Hausarzt lädt zum Realitäts-Check in der Praxis

Der Zürcher Ärztepräsident Josef Widler beklagt das kafkaeske Gebaren im Gesundheitswesen und lädt zu einem Workshop in seine Praxis. Eingeladen sind: Heinz Brand, Verena Nold, Pascal Strupler, Alain Berset, Stefan Meierhans…

, 10. März 2017, 16:05
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«Leistungen in Abwesenheit der Patienten»: Im Dauergerangel um die Tarmed-Position 00.0140 meldet sich nun Josef Widler zu Wort: Halb entrüstet, halb ironisch wendet sich der Präsident der Zürcher Ärztegesellschaft an Santésuisse-Präsident Heinz Brand. 
«Herr Brand, informieren Sie sich vor Ort!», titelt Widler den offenen Brief auf der Website der Ärztegesellschaft AGZ. Die Ärzte hätten genug von den Diffamierungen. Dass sie sich mit immer mehr Bürokratie herumschlagen müssten, wüssten sie nämlich selber.

Bürokraten im Glashaus

«Es ärgert mich masslos», so Widler, «wenn in den Glashäusern sitzende Bürokraten der Krankenkassen ständig Steine werfen, indem sie den Ärzten, deren Berufsalltag sie in einen kafkaesken Administrationsalbtraum verwandeln und dabei finanziell abwerten, auch noch vorwerfen, sie würden "überarzten" (sinnlose Behandlungen durchführen), oder "sich selbst bedienen" (betrügen).»
Auch sei ärgerlich, dass die Kassen die Patienten gegen Ärzte aufhetzten. «Patienten und Ärzte sind weder Feinde noch Konkurrenten. Wir sind Partner.»

«Sie müssen selber sehen»

Die Grundidee von Josef Widlers Schrift ist: Die Leute in den Krankenkassen hätten zuwenig Ahnung von der Realität in der Arztpraxis. Und deshalb fordert er die Versicherungsvertreter auf, sich doch ein Bild vor Ort zu machen: «Sie müssen selbst sehen und verstehen, wie sich die Arbeit allein in den letzten 10 Jahren verändert hat, dann würden sie ihre Sicht auf die medizinische Realität wohl anpassen.»
  • Zur ganzen Replik von Josef Widler: «Wir haben genug von den Diffamierungen» — Ärzte für Zürich, März 2017. 
Und dazu macht Widler nun Nägel mit Köpfen: Er lädt Heinz Brand und weitere Gesundheits-Vertreter zu einem Workshop ein, mit konkretem Datum am 3. Mai 2017, nachmittags, in seiner Praxis in Zürich-Altstetten.

Crème de la Crème

Wobei sich die Einladung – exklusiv! – an ganz bestimmte Personen richtet. Etwa Heinz Brand und Verena Nold von Santésuisse, Gerhard Heuberger von Tarifsuisse, Pius Zängerle von Curafutura, Ignazio Cassis, Philomena Colatrella von CSS, Daniel Schmutz von Helsana, Otto Bitterli von Sanitas, Preisüberwacher Stefan Meierhans, Pascal Strupler vom BAG oder auch: Alain Berset.
Da darf man nun gespannt sein, wieviele der 32 Eingeladenen an jenen Mittwoch auftauchen werden im Praxis-Workshop.
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