Grosse Spitalnetze sind weder besser noch günstiger

Klinik-Gruppen schaffen es offenbar nur schwer, wirklich effizienter zu werden. Und das liegt stark an den einzelnen Lokalfürsten – sprich: Spitalchefs.

, 31. März 2016 um 09:00
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Dies jedenfalls die Aussage einer grossen Erhebung, die ein Team der Auditing- und Beratungsfirma PwC durchgeführt hat. Die Consultants untersuchten dabei Daten von gut 5,600 einzelnen Kliniken und 526 Spital-Netzwerken in den USA, wobei auch verschiedene Kategorien berücksichtigt wurden: Ausbildungs-Spitäler, Grundversorger, gewinnorientiert, Nonprofit …
Die Kernfrage drehte sich dabei um das, was man in der Wirtschaftssprache Skaleneffekte nennt: Je grösser ein Betrieb, desto tiefer die Einzelkosten, so die These. Und zugleich bieten grössere Betriebe viel bessere Möglichkeiten und Potentiale. 

Anil Kaul, K.R. Prabha, Suman Katragadda: «Size should matter: Five ways to help healthcare systems realize the benefits of scale», in: PwC, «Strategy&», März 2016.

So weit die Theorie, die ja auch schon oft bestätigt wurde. Aber gilt sie auch fürs Gesundheitswesen? 
Die Spital-Untersuchung von PwC untermauert in einem ersten Schritt die erwähnten Grössenvorteile: Je mehr Betten ein Spital hat, desto tiefer die Kosten für eine bestimmte Behandlung – diese Grundregel erhärtete sich hier einmal mehr. Heraus kam notabene auch, dass grosse Spitäler eher kürzere Aufenthaltszeiten haben.

Spitalgruppen sind de facto Holding-Firmen

Doch dies gilt nicht mehr, wenn man es mit ausgewachsenen Klinik-Netzwerken zu tun hat. Fasst man mehrere Spitäler zusammen, so lassen sich plötzlich keine Korrelationen mehr festmachen zwischen Bettenkapazität und Fallkosten. Vernetzte Spitalunternehmen sind also offenbar nicht so gut fähig, ihre Grösse in Effizienz zu übersetzen.
Warum ist das so? Eine These der Unternehmensberater unter Leitung von Anil Kaul: Klinikgruppen werden de facto als Holding-Gesellschaften geführt. Das heisst: Die einzelnen Spitäler bleiben sehr selbstständig. Es entstehen keine integrierten Organisationen mit standardisierten Abläufen und einer systematischen Kostensenkungs-Kultur.

Wer Aarberg sagt, denkt auch nicht an die Insel Gruppe

Als wichtigen Faktor nennen die PwC-Ökonomen die Spitaldirektoren: Die meisten glaubten, «dass ihre lokale Marke jene des übergreifenden Systems übertrumpft». 
Tatsächlich dürfte dies auch in der Schweiz so sein, wo bekanntlich jedes Spital von der Bevölkerung eher als lokale Grösse verstanden wird denn als Filiale einer grossen Marke: Wer Spital Aarberg sagt, denkt nicht an die Insel Gruppe, bei der Klinik Am Rosenberg steht kaum der Gruppenname Hirslanden zuvorderst – und im Kampf um das Bruderholz-Spital in Baselland gilt das einzelne Haus selbst in einer überschaubaren Kantonsspital-Gruppe als entscheidende Grösse.

Im Zentrum: die einzelne Klinik

Die PwC-Studie – für die auch zahlreiche Verantwortliche und akteure befragt wurden – kommt nun aber zum bemerkenswerten Schluss, dass sich diese Mentalität und diese Wahrnehmung bis ins Management der Spitäler auswirkt. Folglich gibt es innerhalb grosser Netzwerke weiterhin viel Autonomie.
«Die meisten Spitalmanager haben weiterhin signifikante Kontrolle über die Abläufe in ihrem Betrieb, und sie fällen ihre Entscheide so, dass sie die Performance innerhalb dieser Klinik verbessern – und nicht, um weitergehende Ziele des ganzen Systems zu verfolgen.»

These: Die Kosten könnten noch 30 Prozent gesenkt werden

Oder positiv gesprochen: Hier könnte noch viel Potential liegen. Die Autoren glauben, dass die Performance grosser healthcare systems noch massiv gesteigert werden könnten, wenn diese ihr Grössen-Potential voll ausspielen würden. Die Kosten könnten dabei um 15 bis 30 Prozent gesenkt werden.
«Um dies zu erreichen», so die Studie, «müssten sie allerdings noch mehr standardisierte Abläufe einführen – in der Verwaltung wie im klinischen Bereich.»
Die Daten von PwC bestätigen übrigens auch, dass es keinen Zusammenhang gibt zwischen der Grösse eines Spitalunternehmens und den Qualitätsnoten – und ebensowenig zwischen den Behandlungskosten und der Qualität der Ergebnisse (wobei hier natürlich die US-Situation am wenigsten mit der Schweiz vergleichbar ist). 
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