Entlassungen vor Ostern: Herbe Kritik am Paracelsus-Spital

Der VPOD spricht von einem Klima der Angst in Richterswil – der Verwaltungsrat widerspricht. Bekannt wurde dabei, dass die Etzelclinic bald nicht mehr in Richterswil operieren wird.

, 30. März 2016, 08:13
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Seit Anfang März war bekannt, dass das Paracelsus-Spital Richterswil weitere Entlassungen plant. Offenbar wurden die Kündigungen jetzt bereits ausgesprochen. Wie der VPOD meldet, erhielten 11 Angestellte kurz vor Ostern den «blauen Brief», verbunden mit sofortiger Freistellung. Es sei zu befürchten, dass weitere Kündigungen folgen, so die Gewerkschaft.
Betroffen seien bislang Hausdienst, Cafeteria und Hotellerie, aber auch die Pflege; letzteres jedoch wird von Verwaltungsratspräsident Jürgen Robe explizit bestritten: «Das stimmt überhaupt nicht», sagte Robe gegenüber Radio Top

Es ging doch nicht mit der natürlichen Fluktuation

Im weiteren werde die Marketing-Abteilung ganz geschlossen – so der VPOD –, weiter streiche das Spital die Projektmanagement-Stelle. Und schliesslich übernehme die Muttergesellschaft NSN Medical das Qualitäts- und Prozessmanagement in Richterswil. 
Der VPOD wirft der Spitalleitung eine gewisse Widersprüchlichkeit vor, da Jürgen Robe Anfang März noch die Hoffnung geäussert hatte, den Abbau «mit natürlichen Wechseln und der Reduktion von Temporärstellen» bewerkstelligen zu können. 

Wo beginnt die schleichende Massenentlassung?

VPOD-Sekretär Roland Brunner äusserte auf «Tele Top» den Verdacht, dass man es hier mit einer schleichenden Massenentlassung zu tun habe. Deshalb prüfe der VPOD, das Arbeitsinspektorat einzuschalten. Im Spital herrsche «ein Klima der Angst und der Einschüchterung», so die Mitteilung, denn jede und jeder befürchtet, bei der leisesten Kritik sofort die Kündigung zu erhalten. Es  habe auch schon Nervenzusammenbrüche gegeben. 
Bekannt ist, dass das Paracelsus-Spital seinen Kostenblock im Verlauf der kommenden drei Jahre um 6 Millionen Franken senken will. Letztes Jahr wurden in diesem Zusammenhang bereits 30 Stellen gestrichen. 

«Aus strategischen und ökonomischen Gründen»

Im Hintergrund steht, dass das Spital weniger Patienten betreut, Operationen durchführt respektive Belegärzte gewonnen hat als erhofft. In diesem Zusammenhang wurde jetzt auch bekannt, dass die Etzelclinic – eine auf Gelenkchirurgie spezialisierte Gruppe in Pfäffikon – ihr Engagement am Paracelsus-Spital ab April beenden will: Ihre Chirurgen werden danach «aus strategischen und ökonomischen Gründen» nicht mehr in Richterswil operieren. 
Jürgen Robe bestätigte auf «Radio Top», dass das Paracelsus-Spital durch diesen Wegggang «einiges an Operationen» verlieren werde.
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