Eklat in St. Gallen: Marianne Mettler springt ab

Parteiengeplänkel mit Folgen: Die Kandidatin der Regierung fürs oberste Amt der kantonalen Spitäler steht nicht mehr zur Verfügung.

, 31. Mai 2016, 13:46
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Eigentlich hätte der St. Galler Kantonsrat die Wahl in der nächsten Session durchwinken sollen: USZ-Managerin Marianne Mettler sollte noch diesen Monat das Präsidium der kantonalen Spitalverbunde übernehmen – so wünschte es die Gesundheitsdirektorin Heidi Hanselmann (SP), so wollte es die Gesamtregierung.
Daraus wird nichts. Per Communiqué gab Mettler heute bekannt, dass sie ihre Kandidatur zurückzieht: «Ich habe mich Anfangs Dezember 2015 auf ein öffentliches Stelleninserat als Verwaltungsratspräsidentin der Spitalverbunde beworben», heisst es in der Erklärung: «Die Regierung beurteilte mich … als beste Kandidatin. Die Fraktionspräsidenten des St. Galler Kantonsrates wurden darüber informiert. Zwei Wochen später hat mich die St. Galler Regierung zur neuen Verwaltungsratspräsidentin gewählt.» Wegen der Entwicklungen der letzten Wochen habe sie sich jedoch entschieden, die Wahl abzulehnen.

Erst FDP und SVP…

Mit jenen Entwicklungen sind wohl Widerstände aus drei Seiten gemeint. Zum einen meldete die SVP Kritik an und stellte Fragen zu «Qualifikation und Eignung» von Mettler in den Raum. Er vermisse ausgewiesene Führungsqualitäten, sagte SVP-Fraktionschef Michael Götte im «St. Galler Tagblatt»; auch witterte er Interessenskonflikte, wenn die Präsidentin der St. Galler Spitäler zugleich Mitarbeiterin des USZ. Eine Ablehnung nannte Götte da bereits als «wahrscheinlich».
Zum anderen meldete aich FDP-Vertreter Walter Locher mit einem weiteren Kritikpunkt: Er widersetze sich dem drohenden «Untergewicht der ärztlichen Vertretung» im Präsidium, und er frage sich, ob das Gremium «justiert» werden müsse, so Locher. 

…dann auch noch die Mitteparteien

Marianne Mettler ist Ökonomin und arbeitet derzeit in der Medizinbereichsleitung Frau-Kind am Universitätsspital Zürich; daneben ist sie als SP-Mitglied politisch aktiv im Parlament ihrer Wohngemeinde Wil: Der Widerstand insbesondere der SVP dürfte sich also auch aus der parteipolitischen Konstellation nähren. Wobei die SP denn auch prompt konterte, hier zeige sich doch nur «das Problem der SVP mit VertreterInnen anderer Parteien und mit Frauen in Führungspositionen.»
Ein ausschlaggebender Faktor war dann aber wohl, dass Mettler sich inzwischen auch zur Anhörung mit der CVP-GLP-Fraktion getroffen hatte – und dort kamen nochmals Vorbehalte «in Bezug auf ihre Erfahrung in der strategischen Unternehmensführung» aufs Tapet. «In diesem Bereich konnte Frau Mettler die Fraktion nicht überzeugen», teilten die Mitteparteien mit. Und dann: «Die CVP steht daher nicht hinter dem Wahlvorschlag der Regierung.»
Auch wenn sich allerhand Politgeplänkel für die Galerie aufschien, und auch wenn immer Abweichler einzukalkulieren sind, so wurde die Rechnung nun doch langsam überschaubar: SVP (35 Sitze), CVP (29) und FDP (22) haben zusammen mehr als zwei Drittel der 120 Sitze im Kantonsrat von St. Gallen.
Das das eng würde für die Kandidatin der Regierung, ja wohl zu eng – es wurde in dieser Woche definitiv absehbar.
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