Die Zertifikatspflicht zeigt Wirkung

Vor Impfzentren in Zürich sollen sich bereits Schlangen bilden. Und: In Winterthur ist die Stimmung eine andere als noch vor den Sommerferien.

, 10. September 2021, 11:21
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Bisher dienten all die Corona-Massnahmen dazu, die Verbreitung des Virus einzudämmen. Doch die  Ausweitung der Zertifikatspflicht verfolgt noch einen anderen Zweck: die Erhöhung der Impfquote.
Dieser Zweck zeigt bereits Wirkung. «Impfzentrum bis Mittwoch niedrig – jetzt bilden sich Schlangen», titelt das Zofinger Tagblatt. Bis Mittwoch sei die Zahl der Erstimpfungen gegenüber der Vorwoche rückläufig gewesen. Doch dann am Donnerstag die Kehrtwende: «Die beiden Kantonsspitäler Aarau und Baden verzeichneten gestern deutlich mehr Impfwillige. Das Spital Leuggern registrierte innerhalb einer halben Stunde so viele Impfungen wie sonst in einem halben Tag», schreibt das Zofinger Tagblatt.

Verdoppelung der Anmeldungen

Ähnliches ist im Kanton Zürich zu beobachten: «Ansturm macht Impfzentren zu schaffen», so die NZZ. In Winterthur etwa habe sich die Zahl der Anmeldungen in 24 Stunden verdoppelt, wie Zentrumsleiter Thomas Kraft erzählt. Am Freitag seien es nun 540 statt 260 gebuchte Termine, am Samstag 470 statt 240. Das Impfzentrum sei zwar derzeit an fünf Tagen pro Woche geöffnet, von den täglich 2700 Impfungen im Frühsommer sei man aber noch weit entfernt.
Laut NZZ registrieren auch andere Kantone eine höhere Nachfrage nach Impfterminen: eine Verdoppelung der Anmeldungen im Kanton Bern, eine Verdreifachung im Tessin. Auch in Appenzell Innerrhoden – dem Kanton mit der tiefsten Impfquote – soll man schon länger einen Anstieg verspüren. 

Stimmung gekippt

Thomas Kraft vom Impfzentrum Winterthur kommt auch im Landboten zu Wort. Dort berichtet er, wie die Stimmung im Impfzentrum gekippt sei. «Bis vor den Sommerferien waren die Leute sehr dankbar für das Impfzentrum und die unkomplizierte Handhabung», wird Zentrumsleiter Thomas Kraft zitiert. Jetzt scheine es so, als müsste im Gegenteil sogar das Impfzentrum dafür dankbar sein, dass sie sich überhaupt impfen liessen.

O-Töne aus Winterthur

«Ich fühle mich wie eine Gefangene, die nichts mehr darf», sagt eine Person dem Landboten, nachdem sie das Impfzentrum Winterthur verlässt.
«Aber ohne Zertifikat kann man ja jetzt nichts mehr machen. Man muss sich quasi impfen lassen», sagt eine Frau, die sich wegen eines Tinnitus gar nicht impfen lassen wollte, weil sich, wie sie gehört habe, die Covid-Impfung darauf negativ auswirken könne.
«Die Zertifikatspflicht ist aber birreweich, das darf man nicht vorschreiben», so ein Mann, der angeblich nicht a priori gegen die Impfung sein soll. Ein anderer spricht von Diskriminierung: «Es gibt so viele gegenteilige Behauptungen zur Impfung.» Man wisse nicht, wem man glauben solle. 
Zur Erinnerung: In der Schweiz sind derzeit nur 53 Prozent der Gesamtbevölkerung voll geimpft. In Island, Spanien oder Dänemark beträgt die Quote 73 bis 78 Prozent.
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