Der stille Riese: Das will Ameos in der Schweiz

Der Klinikkonzern übernimmt die Seeklinik Brunnen, und dies soll nur ein Anfang sein: Ameos ist ein Schweizer Unternehmen, das im Schweizer Gesundheitswesen mitreden will.

, 14. September 2017, 06:07
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Dass Ameos in der Schweiz aktiv werden könnte, war seit längerem bekannt in der Branche. Firmenchef Axel Paeger hatte da und dort bekundet, an hiesigen Kliniken interessiert zu sein. Und als es beispielsweise vor vier Jahren um die Sanierung der Hochgebirgsklinik Davos ging, sickerte heraus, dass Ameos unter den Bewerbern sei.
Und immerhin: Ameos ist – je nach Messweise – ohnehin schon die zweit- oder drittgrösste Privatklinikgruppe der Schweiz. Mit dem feinen Unterschied allerdings, dass das Unternehmen mit Sitz am Zürcher Bahnhofsplatz vor allem woanders tätig ist: Die 77 Institutionen und 9'000 Spitalbetten des Klinikkonzerns befinden sich in Deutschland und Österreich, und das gilt auch für fast alle der 13'000 Angestellten.

Hauptfokus: Grundversicherte

Jetzt aber wird der Konzern auch in der offiziellen Heimat als Dienstleister aktiv: Wie gestern bekannt wurde, hat Ameos die Seeklinik Brunnen übernommen, ein auf Psychiatrie und ganzheitliche Medizin spezialisiertes Haus mit 46 Betten. Und das soll lediglich ein erster Schritt sein: «Wir haben generell ein Interesse an spannenden Projekten in der Schweiz», sagt Ameos-Kommunikationschef Florian Deumeland.
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Übernahme perfekt: Beat Moll, Spitaldirektor Seeklinik Brunnen, Marina Martini, CDO Ameos, Axell Paeger, CEO Ameos, Stephan Voegelin, Präsident der Gottfried und Julia Bangerter-Rhyner-Stiftung | PD Seeklinik
Gut möglich also, dass von dieser Seite bald mehr Schwung in die Schweizer Spitalszene kommt. Denn wenn etwas auffällt an Ameos, dann das Wachstumstempo. Die Gruppe ist erst 15 Jahre alt, mittlerweile aber steht sie auf Rang 6 der grössten Privatklinik-Ketten in Deutschland. Der Gesamtumsatz erreichte letztes Jahr knapp 900 Millionen Franken. Zum Vergleich: Hirslanden setzte zeitgleich 1,7 Milliarden Franken um, dies mit knapp 9'000 Angestellten.
Der Unterschied signalisiert nicht nur die bestehenden Preisdifferenzen zwischen Deutschland und der Schweiz, sondern auch einen fundamentalen strategischen Unterschied: Ameos konzentriert sich auf die Grundversorgung. «Wir wollen einen öffentlichen Versorgungsauftrag wahrnehmen», sagt Florian Deumeland, und deshalb seien für eine allfällige Übernahme auch nur Häuser interessant, die auf einer kantonalen Spitalliste sind: «Wir legen den Hauptfokus auf die Versorgung von grundversicherten Patienten.» 

Übernehmen und sanieren

Ameos kümmert sich also weniger um den Nobel-Bereich der Privatklinik-Szene, umso stärker aber um das Alltagsgeschäft der Versorgung in den Regionen. Dabei bilden psychiatrische Angebote noch eine besondere Spezialität des Konzerns; hier ist Ameos sogar der wichtigste private Player im deutschen Sprachraum.
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Internet-Auftritt von Ameos
Die Idee dabei: Wer es schafft, effiziente Abläufe, Klinik-Organisationen und Netzwerke einzurichten, kann auch hier eine rentable Alternative zu den öffentlichen Spitalbetrieben bieten.
Gegründet wurde Ameos 2002 von Martin Kerres (der inzwischen ausgestiegen ist) und Axel Paeger, einem Arzt, der zuvor in der Konzernleitung des Klinikriesen Asklepios gearbeitet hatte. Ameos begann, von deutschen Bundesländern oder Gemeinden schlecht geführte Kliniken in Geldnot zu übernehmen, dann wurden die Institutionen saniert; wobei sich die Gruppe eben auch auf den psychiatrischen und psychosomatischen Bereich konzentrierte.

Politischer Faktor

Finanziell engagiert darin waren früh auch Schweizer Pensionskassen, teils direkt, teils über die Investmentfirma Quadriga Capital. Bei einer Kapitalerhöhung kamen 2012 die Private-Equity-Firmen Carlyle und Omnes Capital (Crédit Agricole) zum Aktionärskreis hinzu. Die Kapitalkraft des Konzerns ist von aussen schwer abschätzbar, aber bei mehreren Gelegenheiten teilt Ameos mit, dass man weder Dividenden ausschütte noch Gewinne abführe: Es gehe um «die langfristige und substanzielle Wertsteigerung der geführten Einrichtungen».

  • Ameos als Arbeitgeber: Beurteilungen auf der Plattform Kununu

Für die Schweiz bedeutet dies: Die Seeklinik in Brunnen dürfte nur ein Anfang sein. Sprecher Florian Deumeland bestätigt, dass Ameos auch hierzulande ein wichtiger Player und politischer Faktor im Gesundheitswesen werden will, durchaus in einer Grössenordnung wie Hirslanden und Swiss Medical Network – wenn auch mit dem erwähnten anderen Fokus im Basisbereich.
Dass die Gruppe hierzulande eher zurückhaltend blieb und nicht im bislang üblichen Tempo ausgreift – dies liegt eher daran, dass die Auswahl an übernahmebereiten Kliniken hierzulande immer noch begrenzter ist als in Deutschland und Österreich.
Ansprache von Axel Paeger an der Jubiläumsfeier zum 10. Gründungsjahr von Ameos, September 2003:
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