Curafutura fordert mehr Druck auf Medikamenten-Preise

Der Kassenverband wünscht entschlossenere Reformen, um die Gesundheitskosten zu bremsen. Ambulante und stationäre Leistungen sollen gleich finanziert werden.

, 23. September 2016, 09:00
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Der Schub bei den Krankenkassenprämien, am nächsten Montag erwartet, wird für 2017 wohl besonders unangenehm ausfallen. So rechnet Felix Schneuwly, der Gesundheitsexperte von Comparis, in der heutigen NZZ über alles gerechnet mit Prämiensteigerungen von rund 6 Prozent.
Im Vorfeld der herbstlichen BAG-Ankündigung bringen sich jeweils wichtige Player in Position, bringen Erklärungen an und stellen früh genug Verbesserungsvorschläge in den Raum. Santésuisse legte vor wenigen Tagen den Zeigefinger auf das Kostenwachstum bei den Praxisärzten – derweil die FMH daran erinnerte, dass die demographische, gesellschaftliche und auch bürokratische Entwicklung viel Mitschuld tragen am Dauer-Anstieg der Kosten.
Heute nun meldet sich auch Curafutura, der andere Kassenverband, und appelliert an die Gesundheits-Akteure, endlich Reformen anzupacken.
Konkret verlangt Curafutura:

Eine einheitliche Finanzierung aller medizinischen Leistungen.

Das heisst: Ambulante und stationäre Leistungen sollen gleich finanziert werden, also nicht teils durch Versicherer, teils durch den Kanton. Dies würde eine effektive Verlagerung «von stationär zu ambulant» fördern. Und dabei liesse sich auch die Attraktivität Integrierter Versorgungsmodelle durch zusätzliche Prämienrabatte verbessern.
  • Strengere Regeln für die Überprüfung der Medikamentenpreise.
Die Medikamentenpreise sollen künftig jährlich überprüft werden (und nicht mehr wie bislang dreijährlich). Weiter wünscht Curafutura ein Festbetragssystem bei Generika – und ferner sollen die Krankenversicherer ein Beschwerderecht bei der Festsetzung der Medikamentenpreise durch das BAG erhalten.
  • Eine qualitätsorientierte Zulassung von Ärzten.
In diesem Punkt scheint Curafutura recht nah am jetzigen (provisorischen) Zustand des Zulassungsstopps. Der Verband wünscht eine Regelung, bei der die Kantone sowohl die Aufnahme als auch die Weiterführung einer Praxistätigkeit überprüfen – mit qualitativen Kriterien. Zum Beispiel mit Blick auf die Ausbildung, die Weiterbildung, die Sprachkompetenz und die Teilnahme an Qualitätsprogrammen.
Zur Erklärung der Kostenwachstums der letzten Jahre betont Curafutura folgende Faktoren:
  • der medizinische Fortschritt und die damit verbundene erhöhte Anspruchshaltung in der Bevölkerung;
  • das Angebot an medizinischer Versorgung (Ärztedichte);
  • die demografische Entwicklung.

Treiber: Ambulante Spitalbehandlungen, Spitex, MiGeL

Auffällig sei die starke Zunahme bei den ambulanten Spitalbehandlungen, deren Kosten zwischen 2005 und 2015 mit 6,1 Prozent pro versicherte Person und Jahr gestiegen waren.
Einen überdurchschnittlichen Kostenanstieg wiesen auch die Kostenblöcke «Spitex» und «Mittel und Gegenstände» aus. Allerdings, so die Einschätzung von Curafutura, fallen sie wegen des niedrigen Kostenanteils weniger stark ins Gewicht.
Zur Stellungnahme von Curafutura: «Reform des Gesundheitswesens: Ein Appell an die gestaltenden Kräfte»
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