10 medizinische Durchbrüche, die in den nächsten Monaten viel verändern werden

Eine Reihe von Innovationen werden bald die Gesundheit von tausenden, ja Millionen Menschen massiv betreffen – und damit auch die ganze Gesundheitsbranche. Hier eine Auswahl besonders wichtiger Fortschritte.

, 11. Januar 2016, 08:19
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Auch eine interessante Methode, um Up to date zu sein: Man befragt Chefärzte und Spitzenforscher, welche medizinischen Fortschritte und Techniken in den nächsten Monaten grosse Auswirkungen auf die Gesundheit des Menschen haben werden: «a huge impact».
Genau diese Frage stellte die Cleveland Clinic – Amerikas zweitgrösste Klinikkette mit Niederlassungen in den USA, Kanada und Abu Dhabi – an 75 Spitzenmediziner und –forscher im eigenen Haus.
Hier die meistgenannten Innovationen:

1. Neue Impfstoffe gegen Epidemien

Die Ebola- und (weniger beachtet) Meningitis-Ausbrüche der letzten zwei Jahre haben bewiesen, dass die Gefahr grosser Epidemien bei weitem nicht ausgerottet ist. Die rasche Entwicklung (und klinische Überprüfung) von tauglichen Impfstoffen gegen diese Krankheiten zeigten aber gleichzeitig, dass die Forscher heute hochgradig effizient reagieren können. Darauf lässt sich auch bei den nächsten ähnlichen Fällen bauen.

2. Individualisierte klinische Tests

Es ist eine Binsenwahrheit: Das Prinzip der Zufallsauswahl und der Doppelblind-Tests funktioniert nicht bei der genetisch individualisierten Medizin. In den nächsten Monaten wird es zunehmend gängig, dass genetische Profile in klinischen Studien eingesetzt und entsprechende Medikamente schneller erprobt werden. Auch Patienten mit seltenen oder terminalen Krankheiten können immer effizienter in klinische Testverfahren integriert werden – und womöglich eine rettende Therapie erlangen.

  • Cleveland Clinic Health Essentials: «Amazing Science: Top 10 Medical Innovations for 2016»

3. Genom-Editing mit CRISPR

Die CRISPR-Methode des Eingriffs über bestimmte DNA-Abschnitte weckt ja bereits die Hoffnung, dass dereinst alle genetisch bestimmten Krankheiten bekämpft werden können. Laut den befragten Spitzenmedizinern der Cleveland Clinic steckt hier tatsächlich enormes Potential – zumal die Kosten der CRISPR-Technologie mittlerweile sehr tief sind. Hier dürften in den nächsten Monaten wichtige klinische Tests anstehen.

4. Wasser-Reinigungssysteme für den Kampf gegen Infektionskrankheiten

Verseuchtes und verschmutztes Wasser ist weltweit für etwa 10 Prozent aller Krankheiten verantwortlich. Neue Technologien erlauben es aber zunehmend, einfach und überall Wasser zu reinigen und in Trinkwasser rückzuverwandeln. Hier sichten die Mediziner der Cleveland Clinic die Chance, dass der Gesundheitszustand der gesamten Weltbevölkerung dramatisch, ja revolutionär verbessert wird.

5. Nicht-invasive DNA-Tests bei Föten

Das Aneuploidie-Screening geschieht heute mit Bluttests; doch hier gibt es viele falsch-positive Resultate – welche wiederum invasivere Methoden zur Verifizierung nach sich ziehen. Mehr als neun von zehn Frauen, denen dies heute droht, können bald schon darauf verzichten. Eine neue Methode der nicht-invasiven Diagnose – auf Basis des Bluts der Mutter – kann (beispielsweise) ein Down- oder ein Edwards-Syndrom präziser vorhersagen als alle herkömmlichen Testverfahren.

 

6. Krebs-Tests über Protein-Biomarker-Analyse

Das Problem der Früherkennung von Krebs – bevor Symptome spürbar werden – lag bislang primär in der mangelnden Akkuratesse der entsprechenden Verfahren. Bluttests auf Basis einer neuen Biomarker-Analyse, die in den nächsten drei Jahren auf den Markt kommen dürften, werden früh und präziser darüber informieren, ob sich im Körper Tumorzellen entwickelt und vermehrt haben. Bei Brust-, Prostata- und Ovarialkrebs sind die Verfahren bereits erfolgreich im Einsatz. Das Spektrum von Krebsformen, die so erfasst werden können, weitet sich in den nächsten Monaten aus – und das zu günstigen Preisen.

7. Gehirngesteuerte künstliche Glieder

Die neuronalen Signale, die wir für die Bewegung benötigen, werden mehr und mehr dechiffriert – und sie können mittels Computern kopiert werden. Dies erlaubt es, Prothesen zu entwickeln, die sich über ins Gehirn eingesetzte Sensoren steuern lassen. Innert weniger Jahre entwickelte sich die Idee von gehirngesteuerten Prothesen von einer blossen Idee zu einer blossen Frage des Zeitpunkts. Für die Ärzte der Cleveland Clinic scheint klar: Der Zeitpunkt ist jetzt.

8. Medikamente für eine bessere Libido

Eine bemerkenswerte Auswahl: Die Zulassung von Flibasterin gegen sexuelle Lustlosigkeit bei Frauen – in der Nomenklatur der Psychiatrie: HSDD, Hypoactive Sexual Desire Disorder – zählt hier ebenfalls zu den wichtigsten medizinischen Fortschritten für die kommenden Monate.

9. Fernüberwachung der Patienten

Dieser Trend wiederum scheint in seiner Bedeutung unbestritten: Die Kontrolle der Gesundheitsdaten über Wearables, Apps und andere medizinische Geräte, die aus der Ferne überwacht werden können, dürfte das Gesundheitswesen entschieden umkrempeln.
Als konkretes Beispiel aus dem Alltag einer steigenden Zahl von Ärzten genannt wird hier die Glukose-Überwachung von Diabetes-Patienten. In den kommenden Monaten, so die Prognose, werden neue Plattformen zur Rundum-Überwachung von Patientendaten hier nochmals für eine neue Qualität sorgen – und mehr und mehr Menschenleben retten.

10. Neurovaskuläre Stent-Retriever

Auch im Kampf gegen den Schlaganfall zeichnen sich durch die intravenöse Thrombolyse massive Durchbrüche ab. Die medikamentöse Behandlung erweist sich in einer Minderheit der Fälle als hilfreich – gerade wenn besonders kritische Regionen betroffen sind. Neuartige Katheterbehandlungen dürften in den kommenden Jahren zur Routine werden und jährlich zehntausenden Hirnschlag-Patienten weiterhelfen.


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