Lausanner Onkologin erhält 250'000 Franken

Ein Projekt für personalisierte Immuntherapien gegen Krebs erhält grosse finanzielle Unterstützung von der Stiftung Swiss Bridge.

, 26. Oktober 2022, 13:14
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Michal Bassani-Sternberg vom Universitätsspital Lausanne (CHUV). | zvg
Michal Bassani-Sternberg vom Universitätsspital Lausanne (CHUV) kann ihre Forschungsarbeit mit 250'000 Franken Preisgeld von der Stiftung Swiss Bridge fortsetzen. Sie und ihr Team beschäftigten sich mit der Entwicklung von personalisierten Immuntherapien gegen Krebs.

Warum werden nicht alle Infizierten krank?

Infektionen mit bestimmten Viren und Bakterien, wie dem humanen Papillomavirus (HPV) oder Helicobacter pylori, gelten als Risikofaktoren für die Entstehung von Krebs. Weltweit sind sie für etwa 15 Prozent aller Krebsfälle verantwortlich; in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen sogar für bis zu 30 Prozent aller Fälle.
Doch nicht jede infizierte Person entwickelt Krebs. Warum das so ist, weiss man noch nicht genau. Um künftig mehr infektionsbedingte Krebserkrankungen zu verhindern oder besser behandeln zu können, unterstützt die Stiftung Swiss Bridge die Onkologin Michal Bassani-Sternberg.

Auf der Suche nach viralen Antigenen

Grundlage ihrer Forschung sind Tumor-Antigene, die auf der Oberfläche von Krebszellen präsentiert werden und vom Immunsystem als fremd erkannt werden können. Im prämierten Projekt konzentriert sich das Team von Michal Bassani-Sternberg speziell auf die Antigene von Viren, wie dem Epstein-Barr Virus, dem humanen Papillomavirus und dem Merkelzell-Polyomavirus.
Sie alle stehen mit der Entstehung von Lymphomen, Gebärmutterhalskrebs, dem Merkelzellkarzinom, einer seltenen, aber aggressiven Hautkrebsform, und anderen Krebsarten in Verbindung.

Neue Immuntherapien entwickeln

Michal Bassani-Sternberg möchte in einem ersten Schritt die Proteinfragmente der einzelnen Viren genau bestimmen. Sie dienen als Antigene. Anschliessend möchte sie spezielle Abwehrzellen des Immunsystems, sogenannte T-Zellen, identifizieren, die über spezifische Rezeptoren verfügen und die viralen Antigene erkennen können. Einmal identifiziert, können diese T-Zellen zu neuen Immuntherapien weiterentwickelt werden.
Neben Michal Bassani-Sternberg hat die Stiftung auch Sylvain Peuget vom Karolinska Institut in Stockholm mit dem gleichen Preisgeld ausgezeichnet. Peuget untersucht, welche Rolle bestimmte Bakterien in unserer Darmflora beim Entstehen und Fortschreiten von Darmkrebs spielen.
Die Stiftung Swiss Bridge investiert jedes Jahr mindestens 500'000 Franken für Krebsforschungsprojekte.
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