UZH erhält 3 Millionen für Psychiatrieforschung

Philipp Homan von der UZH und der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich hat einen der begehrten ERC Synergy Grants erhalten.

, 27. Oktober 2023 um 12:42
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Philipp Homan von der Universität Zürich und der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich hat mit drei europäischen Partnern einen der begehrten European Research Council (ERC)Synergy Grants erhalten, wie die UZH in einer Mitteilung schreibt. Für sein Forschungsprojekt zum Thema «Sprachstörungen bei psychotischen Erkrankungen» erhält die UZH 3.3 Millionen Euro.
Psychotische Erkrankungen wie Schizophrenie oder Bipolare Störungen sind auf dem Vormarsch und betreffen rund drei Prozent der Bevölkerung. Dabei können sich die Störungen in Wahnvorstellungen, Halluzinationen oder Denkstörungen äussern. Und genau bei den Denk- und Sprachstörungen setzt das Projekt von Philipp Homan an.

Rückfälle verhindern

Mittels Sprachanalysen und bildgebenden Methoden suchen Homann und sein Team nach voraussehbaren Markern für die Krankheitszustände der Betroffenen. Ziel sei es, Rückfälle besser zu verstehen und vorhersagen zu können. «Vereinfacht lässt sich sagen: Wie jemand spricht, kann Aufschluss darüber geben, wie jemand denkt», so Homan. Falls erfolgreich, könnte dank dem Marker das Risiko für einen Rückfall früher erkannt werden. Damit bliebe auch Zeit für die Anpassung der Behandlung und der Rückfall liesse sich im besten Fall verhindern.

KI Sprachmodelle

So komme es bei psychotischen Störungen häufig zu inhaltlichen Sprüngen beim Reden, das Gesagte ist inkohärent oder unzusammenhängend. Dabei variiert der Grad der Sprachauffälligkeiten mit dem Schwergrad der Störung. Im ERC-Projekt «DELTA-LANG» werden diese sprachlichen Störungen bei Betroffenen mittels Sprachmodellen, die auf künstlicher Intelligenz basieren, analysiert. Ziel sei es, bereits feine semantische Inkohärenzen zu entdecken und einen sensitiven Index zur Störung der Sprache rsp. der dahinterliegenden Denkvorgänge zu entwickeln, sagt Homan.

Erfolg ungewiss

Der Forscher weist allerdings auch darauf hin, dass der Erfolg des Projekts keineswegs garantiert sei. «Wir setzen bewusst sehr stark auf die Bedeutungen der Sprache – und gehen damit auch ein gewisses Risiko ein.» Denn ob sich Sprachstörungen in geplanter Weise als Marker für die Phasenübergänge bei Psychosen nutzen lassen, müsse erst noch gezeigt werden. Aber gerade so genannte «high-risk» Projekte mit viel Potential würden vom ERC ausdrücklich verlangt und finanziert, so der Psychiater.
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