Unispital bot Scheidentherapie in Aktion an

Als «Frühlingsaktion» bewarb das Universitätsspital Basel eine Laserbehandlung der Vagina-Schleimhaut. Ein Fauxpas.

, 12. Juni 2024 um 12:41
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Handstück des Intim-Lasergeräts Juliet  |  Bild: Aus dem Prospekt des Herstellers.
Das Universitätsspital Basel (USB) machte kürzlich seinen Patientinnen ein exklusives Frühlingsangebot: Nur 2000 Franken statt der üblichen 2350 Franken koste eine «Juliet-Laserbehandlung» bis Ende Juni. Das Unispital beschrieb die Therapie als Behandlung «für eine strahlende Gesundheit im Intimbereich». Es sei «eine innovative Lösung für verschiedene vaginale und vulväre Probleme».
Bei der Behandlung führt der Arzt ein Lasergerät in die Scheide ein. Die Laserstrahlen sollen das Gewebe straffen, Juckreiz lindern sowie gegen vaginale Trockenheit und Harninkontinenz wirken.
Die Aktionswerbung fiel der Zeitschrift «Gesundheitstipp» auf. Sie kritisiert das Spital. Eine Frauenärztin fand das Angebot «sehr fragwürdig und einer Uniklinik nicht würdig».

Umstrittener Nutzen

Zudem sei der Nutzen der Behandlung umstritten. Es gebe Studien, die zeigen, dass der Laser nicht die gewünschte Wirkung hat und sogar Infektionen und Verbrennungen verursachen kann.
Die Krankenkassen bezahlen die Behandlung nicht. Die Helsana bezeichnet sie laut «Gesundheitstipp» als medizinisch unnötige Lifestyle-Behandlung.
Das USB kontert: Es sei eine medizinisch notwendige Therapie. «Rund die Hälfte aller Frauen im Alter zwischen 45 und 89 Jahren leiden unter Symptomen im Zusammenhang mit vaginaler Atrophie, also Gewebeschwund, in den Wechseljahren», schreibt USB-Sprecherin Caroline Johnson auf Nachfrage von Medinside.
Die Laserbehandlungen könnten den ursprünglichen Stoffwechsel des Bindegewebes rasch und nachhaltig wiederherstellen und durch Neubildung von Kollagen und Elastin die Schleimhautdicke und Elastizität verbessern.

Rabatt-Angebot gestrichen

Caroline Johnson zitiert Studien, welche die Wirksamkeit der Laser-Methode zeigen. Allerdings schreibt die Schweizerische Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe, dass die Lasertherapie «relativ neu» sei. Die Datenlage werde sich erst in den nächsten Jahren verbessern.
Das Aktionsangebot hat das USB mittlerweile gestrichen. Man habe «ein gewisses Potenzial zur Missinterpretation» festgestellt. Bislang hat das USB auch noch keine Frauen mit dieser Methode behandelt.
Das USB bietet in seiner Margarethenklinik in der Nähe des Basler Bahnhofs seit einiger Zeit Schönheitsbehandlungen an.
In den Medien wurde die Klinik auch als «Edel-Filiale für die ästhetische Medizin» bezeichnet. Unter «Behandlungen im Intimbereich» bietet das Spital auch Schamlippenverkleinerungen an – ab 4500 Franken.

USB will «Lücke schliessen»

Warum ein Universitätsspital auch Schönheitsoperationen anbieten soll, begründet das USB folgendermassen: «Ein kritisches Hinterfragen von Wirkung und Sicherheit von ästhetischen Methoden und ein ebenso kritisches Betrachten der Resultate findet – anders als in anderen medizinischen Fächern – noch zu selten statt. Wir sehen es als unsere Pflicht an, diese Lücken zu schliessen.»
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