Zusatzversicherungen: Lukrativ nur für die Anbieter

Pius Gyger führte im Auftrag von Comparis eine Studie zum Gesundheitsmarkt Schweiz durch. Ein besonderes Augenmerk richtete der Gesundheitsökonom auf die Zusatzversicherungen.

, 28. August 2018, 14:51
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80 Milliarden Franken. Diese Zahl kennt jeder Sozialpolitiker. Auf 80 Milliarden Franken addieren sich die jährlichen Gesundheitskosten in der Schweiz. Eine andere Zahl ist weniger bekannt, aber nicht minder imposant: 24 Milliarden Franken. So viel zahlen Herr und Frau Schweizer für Gesundheitskosten aus dem eigenen Portemonnai. 
Anders gesagt: So viel zahlt man für Gesundheitskosten zusätzlich zur Prämie für die obligatorische Krankenpflegeversicherung (OKP). Von den 24 Milliarden Franken privat bezahlter Gesundheitsdienstleistungen entfielen fast 80 Prozent auf freiwillige Selbstzahlungen. Es ist dies Geld, das an den Versicherungen vorbei fliesst.  
Das ist eine kleine Auswahl einer Fülle von Zahlen, die Pius Gyger am Dienstagmorgen in Bern präsentierte. Der Gesundheitsökonom, der früher bei Helsana unter Vertrag stand, führte die Studie im Auftrag von Comparis durch.

Weltweit an der Spitze

Politisch nicht ohne Brisanz ist weiter die Feststellung, dass die Schweiz bei den privat finanzierten Gesundheitsausgaben pro Kopf weitweit an der Spitze steht – zusammen mit den USA. Von rechter Seite wird man das als ein hohes Mass an Selbstverantwortung begrüssen. Von linker Seite wird man eine mangelhafte Solidarität bemängeln.
Ein grosser Teil der Studie ist den Zusatzversicherungen gewidmet. Dass diese unter Druck kommen, ist bekannt. Interessant ist jedoch der Befund Gygers, dass die Branche immer noch recht solide ist. Mit Betonung auf «noch». Gyger wörtlich: «Die Versicherungsbranche befindet sich in einem gesunden Zustand. Der Markt steht aber kurz vor der Implosion.»

Einnahmen stiegen stärker als die Schäden

Aufgrund des vorgestellten Zahlenmaterials lässt sich folgern: Für die Versicherer waren die Produkte lukrativer als für deren Kunden.
Zwei Zahlen bestätigen dies: Zwischen 2008 und 2016 sind die Prämieneinnahmen um 865 Millionen Franken angewachsen. Die Schadenzahlungen hingegen haben bloss um 353 Millionen Franken zugenommen. Das ergibt für die Branche ein beindruckendes Plus von 512 Millionen Franken.
Gerade mit den Spitalkostenzusatzversicherungen, bei denen die Kunden mehr und mehr wegsterben, scheinen die Kassen weiterhin gutes Geld zu verdienen. Sie haben sich laut Pius Gyger «lukrativ entwickelt». Hier zeige sich die schwache Marktmacht der Kunden, weil die Möglichkeit zum Wechseln eingeschränkt ist: Groupe Mutuel, ÖKK und Sympany sind mit Schadenquoten von 56 und 57 Prozent die grössten Profiteure. Im ambulanten Bereich hat Assura gar eine Schadenquote von bloss 30 Prozent. 
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