Weshalb zieht es so viele Millennials in die Pflege?

Die Pflegeberufe sind zu regelrechten Boomberufen aufgestiegen. Eine These: Das hat auch mit der Finanzkrise von 2007 zu tun.

, 1. November 2017, 12:06
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Es ist ja schon erstaunlich: Trotz aller Klagen über Personalmangel und hohen Druck ist die Pflege beim Nachwuchs äusserst beliebt. Die Zahl der Lernenden und dann auch der Absolventen von Tertiär-Diplomabschlüssen stieg in den letzten Jahren stetig an, so dass die Pflegeberufe heute definitiv zu den gefragtesten Berufen überhaupt gehören.
Was in der Schweiz geschieht, passiert auch in Amerika – so dass dort drei Pflegewissenschaftler nun mal die naheliegende Frage in den Raum stellten: Warum ist das eigentlich so? Woher dieser Boom?


In einem ersten Schritt nahmen David Auerbach, Peter Buerhaus und Douglas Staiger die Generation der sogenannten Millennials, geboren zwischen 1982 und dem Jahr 2'000 – und verglichen sie mit den Baby-Boomern (geboren zwischen 1946 und 1961). Heraus kam, dass die Millenials mit einer fast doppelt so hohen Quote den Pflegeberuf wählen wie seinerzeit die Babyboomer. 
Auch im Vergleich zur so genannten Generation X (geboren zwischen 1961 und 1981) war die Feststellung klar: Der Anteil jener, die das Diplom einer registered nurse erwarben, war bei den Millennials um 60 Prozent höher.
Die Autoren suchen nicht explizit nach den Gründen – etwa durch Befragungen –, aber sie stellten Vermutungen auf. Zwei Ursachen könnten hier prägend sein:

  • Die Millennials wuchsen in einem Klima erhöhter Unsicherheit auf. So gehörte die Finanzkrise von 2007 und 2008 für diese Generation zu den ersten bewusst wahrgenommenen gesellschaftlichen Entwicklungen. Dies könnte den Wunsch geweckt haben nach einem Beruf, der viel Stabilität bietet, tiefe Arbeitslosenraten hat und der noch in Jahrzehnten gefragt sein wird.
  • Allgemein suche diese Generation stärker nach sinnhaftiger Arbeit, welche auch Möglichkeiten zum Lernen, zur Weiterbildung und zur persönlichen Entwicklung bietet. All das bieten die Pflegeberufe.

Aus zwei Überlegungen könnte die Sache allerdings noch etwas komplizierter sein: Erstens lässt sich der erwähnte Millennial-Boom auch in der Schweiz feststellen – obwohl das Land ja fast unberührt durch die Finanzkrise kam. Doch immerhin lässt sich auch hier zunehmend eine Stimmung diffuser Berufs-Zukunftssorgen festmachen: Man denke nur an die Diskussionen über die Konkurrenzierung durch Roboter.

Jetzt kommt der Generationen-Switch

Zweitens gelten die erwähnten Argumente offenbar vor allem für den weiblichen Teil der Bevölkerung. Denn auch in der Nachwuchsgeneration liegt die Frauenquote über 80 Prozent.
Wie auch immer: Das Interesse der jungen Generation kommt auch in den USA gerade rechtzeitig, um die stetig wachsenden Verluste durch die Pensionierung der «Baby Boomer» halbwegs zu decken, stellen die Autoren fest. Allerdings sichten sie hier noch eine spezifische Herausforderung: Die ganze Personalstruktur in der Pflege werde sich jetzt sehr rasch massiv verjüngen, so dass die Millennials schon in ein paar Jahren – etwa 2020 – die Generation X als grösste Gruppe in der Pflege überholt haben werden. Dieser Switch stelle spezielle Aufgaben ans Management.


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