Wer entscheidet, ob Patienten ein Spital loben? Die Pflege

Es macht einen Unterschied, wieviele Pflegefachleute auf einen Patienten entfallen – nämlich bei den Zufriedenheits-Noten nach der Entlassung.

, 12. Januar 2018, 07:43
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  • pflege
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Wenn Patienten ein Spital kritisieren, dann hat das mit der Pflege zu tun. So einfach ist das. Oder genauer: Lob oder Kritik korrelieren mit der Anzahl an Pflegeprofis.
Dies zeigen zwei Umfragen, welche im englischen NHS-System durchgeführt wurden. Auf der einen Seite bat man 66’000 stationären Patienten aus 46 Spitälern, bei der Entlassung die Betreuung zu beurteilen. Gefragt wurde aber auch nach dem Vertrauen in Ärzte und Pflegepersonal – sowie danach, ob die Zahl der nurses genügte, um die notwendige Betreuung sicherzustellen.
Zeitgleich befragten die Forscher auch knapp 3'000 diplomierten Pflegefachleuten (registered nurses) in jenen 46 Spitälern. Diese Nurses wurden nach ihrer täglichen Belastung befragt, aber auch nach allerlei Arbeitsbedingungen wie Ressourcen, Unterstützung, Teamgeist und Führung.
Heraus kam, dass auf einen einzelnen Pflegenden im Schnitt 5,6 bis 11,6 Patienten entfielen. 
Wie passten aber die Ergebnisse aufeinander? Grundsätzlich meldete eine grosse Mehrheit ein grosses Vertrauen in Ärzte wie ins Pflegepersonal. Und rund 60 Prozent fanden, dass die Pflege immer genügend besetzt war. Nur jeder zehnte Patient fand, dass es selten oder nie genügend nurses on duty gegeben habe.
Doch die Zufriedenheitsnoten hingen eng zusammen mit der Beurteilung der «Personaldichte». Wenn Patienten fanden, dass genügend Pflegepersonal anwesend war, erteilten sie zu 57 Prozent die Note «excellent». Wenn sie aber fanden, dass nur «sometimes» genügend Nurses vor Ort waren, gaben sie auch zu nur einem Viertel die Bestnote ab.

1 Pflegestelle auf 10 Patienten = schlechter Service

Und wer die Personal-Ausstattung als «fast immer» zu dünn beurteilte, gab auch nur zu 14 Prozent die Note «excellent».
Oder in einer konkreteren Messung: In Spitälern, wo auf eine Pflegende 10 Patienten entfielen, waren die Zufriedenheitsnoten um etwa 40 Prozent tiefer – im Vergleich zu jenen Häusern, wo im Schnitt nur 6 Patienten zu betreuen waren. Dies nach Abzug beziehungsweise Einrechnung anderer Faktoren, die hier eine Rolle spielen könnten.
Dieses Ergebnis ist einleuchtend und auch logisch – denn woran fehlte es dann im Alltag? Zwei Drittel der Nurses berichteten, dass ihnen die Zeit mangle, um mit den Patienten zu reden und sie zu trösten. Und gut die Hälfte der Befragten berichteten, dass sie die Patienten und ihre Verwandten zuwenig über die Betreuung nach der Entlassung informieren könnten.
«Unsere Ergebnisse suggerieren, dass weniger Ausfälle bei der Pflege durch die Sicherstellung von genügend Pflegefachleuten am Bett … eine vielversprechende Strategie sind, um die Patientenzufriedenheit zu steigern», so die Autoren um die US-Pflegewissenschaftlerin Linda Aiken. Oder noch kürzer: «Improving RN (registered nurses) staffing holds promise for enhancing patient satisfaction».
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