Warum die Prämiensenkung einmalig sein könnte

Die Krankenkassenprämien sinken ein wenig. Es dürfte aber wohl eine Ausnahme bleiben. So vermuten es zumindest die Spitäler und Santésuisse.

, 29. September 2021, 12:11
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Erstmals seit 14 Jahren sinken die Krankenkassenprämien in der Schweiz. Nächstes Jahr wird eine mittlere Monatsprämie 315.30 Franken ausmachen. Dieses Jahr waren es 316.50. Die Prämien sinken also gerade einmal um 1.20 Franken, was 0,2 Prozent entspricht.

Erwartet uns das dicke Ende erst in den nächsten Jahren?

Diese Senkung fällt kaum ins Gewicht. Und es gibt zwei grosse Organisationen, die bereits warnen: Die richtige Rechnung könnte erst nächstes Jahr auf dem Tisch liegen.
So meldet der Krankenkassenverband Santésuisse, dass letztes Jahr die Kosten in der Grundversicherung stärker gestiegen seien, als es angesichts des mehrwöchigen Behandlungsstopps zu erwarten gewesen wäre. Und: «Im laufenden Jahr setzt sich dieser Trend in akzentuierter Form fort: In der ersten Hälfte 2021 belief sich der Kostenanstieg auf über 3 Prozent pro versicherte Person.»

Eine Milliarde ungedeckte Kosten bei den Spitälern?

Auch die Schweizer Spitäler des Verbands Hplus prophezeien, dass längst noch nicht alle Kosten der Pandemie gedeckt seien. Die Folgen würden erst in den kommenden Jahren vollständig sichtbar. Für Hplus passen die sinkenden Prämien denn auch in keiner Weise zusammen mit den «Leistungen und Opfern, welche die Spitäler 2020 erbracht haben und auch in diesem Jahr erbringen».
Die Spitäler hätten bisher nur zum Teil eine Entschädigung dafür erhalten, dass sie im Frühjahr 2020 nicht behandeln durften. Hplus geht von ungedeckten Kosten von über einer Milliarde Franken aus.

Curafutura ist optimistisch

Weniger schwarz malt der Krankenkassenverband, Curafutura. Er geht sogar von einem positiven Trend aus. Die Verbandsverantwortlichen rechnen vor: 2019 stiegen die Prämien noch um 1,2 Prozent, 2020 nur noch um 0,2 Prozent und 2021 ebenfalls nur um 0,5 Prozent.

FMH will keine Budgetvorgaben

Für die Ärzteverbindung FMH ist die Senkung gar der Beweis, dass es keine Budgetvorgaben für Ärzte brauche. Bisher hätten die steigenden Prämien bei den Schweizern den Eindruck erweckt, dass die Kosten im Gesundheitswesen beängstigend steigen würden. Doch, so die FMH: «Die aktuelle Entwicklung beweist das Gegenteil: Ganz ohne Budgets in der Gesundheitsversorgung, werden die vom Bundesrat angedachten Zielvorgaben erneut unterboten.»
Sowohl Curafutura wie die FMH drängen aber nun darauf, zwei Gesundheitsreformen durchzusetzen: Nämlich erstens die einheitliche Bezahlung von ambulanten und stationären Behandlungen. Und zweitens den Ersatz der alten Tarmed- mit den neuen Tardoc-Tarifen.

Santésuisse möchte anders sparen

Anders der Verband Santésuisse: Er will einen neuen Tarif für Einzelleistungen der Ärzte verhindern und dafür ambulante Pauschalen einführen. Ausserdem verspricht sich Santésuisse Einsparungen von 400 Millionen Franken mit einem Referenzpreissystems für Generika. Weitere 300 Millionen Franken pro Jahr will der Verband bei den Labortests sparen, die in der Schweiz rund dreimal so teuer seien wie in den Nachbarländern.

3 Prozent Prämienersparnis bei Kassen, die Reserven abbauen

Einige Krankenkassen bauen ihre Reserven ab und verbilligen so ihre Prämien. Damit können Krankenkassen wie der Groupe Mutuel oder die KPT ihren Kunden mehr als bloss einen Franken von der Prämienrechnung abziehen. Beide Kassen melden, dass bei ihnen die Prämien um über 3 Prozent sinken.
Der Groupe Mutuel setzt 113 Millionen Franken, die KPT 20 Millionen ihrer Reserven für Verbilligungen ein. Insgesamt hat der Bundesrat den Abbau von 380 Millionen Franken Reserven bewilligt.
Die Reserven, welche die Krankenkassen aufgebaut haben betragen über 12 Milliarden Franken. Der Bundesrat will, dass die Versicherer diese Reserven in den kommenden Jahren weiter abbauen. Das sei möglich, ohne die Zahlungsfähigkeit der Krankenkassen zu gefährden.
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