Spital STS: Gerangel um die Neubau-Mittel

Das Neubau des Spitals Zweisimmen ist «on hold» – derweil werde am Spital Thun «munter ausgebaut»: Die IG der Region Obersimmental-Saanen wittert eine aktive Benachteiligung.

, 25. Oktober 2017 um 08:30
image
  • spital
  • spital simmental-thun-saanenland
  • kanton bern
Die Situation im Berner Oberland kann durchaus als weiteres Fallbeispiel dienen dafür, was geschieht, wenn die Politik stärker Druck auf die Spitäler macht. Bekanntlich plante die Spital STS AG einen Neubau des Standorts Zweisimmen, und zwar erschien das Projekt mit gesamten Investitionskosten von 42 Millionen Franken gar nicht so gewaltig. Die Kantonsregierung machte nun aber Gegendruck, indem sie ihre Zustimmung zu nachfolgenden Betriebsbeiträgen verweigerte – und dann grundsätzlich die Frage in den Raum stellte, wer überhaupt ein Spital in Zweisimmen betreiben solle.
Damit gibt es hier nun einen Marschhalt. Doch auch dies weckt lokalen Widerstand und lässt Verteilungskämpfe ahnen. Gestern meldete sich die IG Spitalversorgung Simmental-Saanenland  und verwies darauf, dass die Spital STS AG zugleich am Standort Thun eifrig ausbaue. 

42 plus 14,5 Millionen

«Derweil die STS AG in Zweisimmen das Neubauprojekt sistiert, wird in Thun munter weiter ausgebaut», monierte die Organisation in einem Communiqué; die IG umfasst rund 250 Mitglieder, die sich für die solide Grundversorgung ihrer Gegend einsetzen.
 «Im Januar wurde damit begonnen, den Bettentrakt von 160 auf 190 Betten zu erweitern», rechnet die Organisation vor. «Für diese Sanierung wurden insgesamt rund 42 Millionen Franken budgetiert. Am 16. Oktober wurde der sanierte und umgebaute Operationsbereich des Spitals Thun offiziell in Betrieb genommen. Die Kosten des Projekts in Thun belaufen sich auf 14,5 Millionen Franken.»
Der IG fiel dabei auf, dass der Planungskredit für das neue «Dr. House» in Zweisimmen bereits letztes Jahr mit einem Abschreibebetrag von 2,8 Millionen Franken der Jahresrechnung des Standorts Zweisimmen aufgehalst worden sei, was dessen Defizit «künstlich» erhöht habe. «Die IG Spitalversorgung fragt ein weiteres Mal, ob ein Neubau wirklich jemals Ziel der STS AG war und ist», so die Schlussfolgerung.
Gegenüber der «Berner Zeitung» wollte die Spital STS AG nicht Stellung nehmen: Der Lead für das weitere Vorgehen zur Entwicklung des Spitals Zweisimmen liege bei der Gesundheits- und Fürsorgedirektion des Kantons. Ende Dezember oder Anfang Januar wollen der zuständige Regierungsrat Pierre Alain Schnegg und die STS AG ein Zwischenfazit präsentieren.
Artikel teilen

Loading

Comment

2 x pro Woche
Abonnieren Sie unseren Newsletter.

oder

Mehr zum Thema

image

Hirslanden: Umbau an der Spitze – näher zu den Regionen

Hirslanden-Zürich-Direktor Marco Gugolz zieht als Regional Operations Executive in die Konzernleitung ein.

image

Was geschieht mit dem Spital Thusis?

Die Stiftung Gesundheit Mittelbünden sucht Wege aus der finanziellen Krise – beraten von PwC. Ein Entscheid soll im Herbst fallen.

image

CSEB: «Herausfordernd, aber zufriedenstellend»

Trotz roten Zahlen und leicht rückläufigen Patientenzahlen gibt sich das Center da sandà Engiadina Bassa optimistisch.

image

Spital STS: Hohe Patientenzahlen bewahren nicht vor Verlust

Sowohl stationär als auch ambulant gab es bei der Spitalgruppe Simmental-Thun-Saanenland 2023 einen Zuwachs.

image

Spital Lachen bricht Neubau-Projekt ab

Nun soll saniert statt neu gebaut werden – aus finanziellen Gründen, aber auch wegen der Flexibilität.

image

Spitalzentrum Biel: Sehr rote Zahlen wegen Sonderabschreiber

Andererseits war 2023 ein Wachstumsjahr für die SZB-Gruppe, es gab einen Rekordwert bei den Patientenzahlen. Und die dynamische Entwicklung setze sich 2024 fort.

Vom gleichen Autor

image

Überarztung: Wer rückfordern will, braucht Beweise

Das Bundesgericht greift in die WZW-Ermittlungsverfahren ein: Ein Grundsatzurteil dürfte die gängigen Prozesse umkrempeln.

image

Kantone haben die Hausaufgaben gemacht - aber es fehlt an der Finanzierung

Palliative Care löst nicht alle Probleme im Gesundheitswesen: … Palliative Care kann jedoch ein Hebel sein.

image

Brust-Zentrum Zürich geht an belgische Investment-Holding

Kennen Sie Affidea? Der Healthcare-Konzern expandiert rasant. Jetzt auch in der Deutschschweiz. Mit 320 Zentren in 15 Ländern beschäftigt er über 7000 Ärzte.