So unpräzise sind Online-Symptom-Checker

Wenn Patienten ihre Symptome im Internet prüfen, erhalten sie sogar bei seriösen Sites ständig falsche Diagnosen.

, 13. Juli 2015, 09:38
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Es gibt sie auch im deutschen Sprachraum en masse: Websites, wo man Informationen zu Symptomen eingeben muss und Fragen beantwortet – und am Ende eine Diagnose angeboten bekommt. Selbst bekannte Gesundheits-Institutionen betreiben solche digitalen Selbstdiagnose-Angebote: Die Sache muss also ganz seriös sein.
Zweifel streut jetzt allerdings eine Untersuchung der Harvard University. Die Wissenschaftler aus Boston testeten 23 angelsächsische Sites – darunter führende Angebote wie Web M.D., DocResponse oder den Symptom-Checker der Mayo Clinic. Und ihr Resultat war eher enttäuschend: In nur einem Drittel der Fälle listeten die Sites die richtige Diagnose als oberste Möglichkeit auf. 
Das heisst umgekehrt: In zwei Dritteln der Fälle tippte das digitale Diagnosetool auf etwas anderes. 
Danach wurde es auch kaum besser. Denn insgesamt schaffte es die korrekte Diagnose nur in jeweils der Hälfte der Beispiele überhaupt unter die ersten drei Vorschläge. Oder anders: In jedem zweiten beschriebenen Krankheitsfall setzten die Programme auf falsche Diagnosen – die Erfolgsquote der Münze.
Hannah L Semigran, Jeffrey A. Linder, Courtney Gidengil, Ateev Mehrotra: «Evaluation of symptom checkers for self diagnosis and triage: Audit study», in: BMJ, Juli 2015 
Insgesamt 45 verschiedene Krankheitsbilder vermittelte das Team um Ateev Mehrotra von der Harvard Medical School an die Websites. Dabei unterschied man auch – wo möglich – nach Triage-Anforderungen: Bei welchen Beschreibungen sollte der symptom checker den Gang zum Notarzt empfehlen? Wo genügte Selbsttherapie? 

Fehleranfällig, aber risikoavers

Hier fielen die Ergebnisse etwas besser aus: In 57 Prozent der Beispiel erschien der Triage-Vorschlag korrekt, wobei die Positiv-Quote bei den dringendsten Fällen mit 80 Prozent doch recht hoch war. Umgekehrt empfahlen sie in den leichten Fällen, wo eine Selbsttherapie genügte, in zwei Dritteln der Fälle den Gang zum Notarzt oder zumindest einen Arztbesuch.
Die Symptom-Checker scheinen also grundsätzlich ziemlich risikoavers eingestellt. Was angesichts der Akkuratesse ihrer Ergebnisse wohl auch nötig ist…
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