Die Regionalspitäler bauen Lobbydruck auf

Ein Hauptanliegen: Es muss Schluss sein mit dem Regulierungs-Wildwuchs. Und Schluss auch mit der schleichenden Zentralisierung unterm Signet der Hochspezialisierten Medizin.

, 25. August 2017, 12:07
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Es geht langsam, Schritt für Schritt. Aber immer stärker wird spürbar, dass die Regionalspitäler nicht länger nur Spielball der Gesundheitspolitik sein wollen. Dass sie sich ihrer gemeinsamen Kraft bewusster werden – und dass sie diese einsetzen. Es begann im Aargau, wo sich vor einem knappen Jahr vier Regionalspitäler bündelten, um gemeinsam «einseitige Zentralisierungspläne» des Kantons zu bekämpfen – insbesondere Sparideen, die auf ihre Kosten gehen könnten. In Zürich fanden sich dann vor zwei Monaten die Regionalspitäler zu einer eigenen Interessengemeinschaft,  wobei sich hier die kantonal geplanten Mindestfallzahlen als Haupt-Angriffspunkt erwiesen.
Der lose Aargauer Zusammenschluss, damals lanciert unterm Schlagwort «Nähe schafft Gesundheit», weitet sich nun massiv aus: Eine ganze Reihe von Spitälern der Zentralschweiz sowie von Glarus haben sich ebenfalls angeschlossen.
Heute präsentierten die neuen IG-Partner ihr Anliegen – und erwähnten dabei, dass sich wohl bald noch Spitäler aus weiteren Regionen dem Projekt anschliessen dürften. Im Gespräch für «Nähe schafft Gesundheit» seien insbesondere Häuser aus Zürich und Bern.

«Nähe schafft Gesundheit»: Zum Online-Auftritt der Regionalspitäler

Worum geht es? Es geht um die eigenen Interessen, es geht um die solide Grundversorgung der Bevölkerung, und es geht ganz stark um die Bürokratisierung. Die Spitäler würden mit immer mehr und engeren regulatorischen Bedingungen bedrängt, sagte Fortunat von Planta, der Direktor des Kantonsspitals Uri, bei der Präsentation vor den Medien.
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Fortunat von Planta | PD KS Uri
Als Beispiele nannte von Planta den Trend zu Abgrenzungen in der Hochspezialisierten Medizin und die Vorgaben der kantonalen Spitalleistungsgruppen-Kataloge. Hier gehe es um Strukturen – und nicht um die Ergebnisqualität, so die Analyse des Urner Spitalmanagers.
Doch in der Gesundheitsversorgung seien nicht praxisferne Vorgaben entscheidend, sondern das Ergebnis für die Patienten. Deshalb müsse es ein Ende haben damit, dass die in der HSM-Liste erfassten hochspezialisierten Eingriffe schleichend ausgeweitet werden; dass man von der ursprünglich diskutierten Liste abweicht und dass man immer weitere Gebiete reguliert, die gar nicht zur hoch spezialisierten Medizin gehören.

Was bleibt? Datenfriedhöfe 

«Der bestehende Strukturkatalog muss wieder auf die ursprünglich diskutierten und durchaus sinnvollen Bereiche zurückgefahren werden, um eine umfassendere Gesundheitsversorgung in den Regionen zu ermöglichen», sagte Fortunat von Planta.
Was die HSM-Übungen konkret bedeuten, illustrierte Martin Nufer. Der medizinische Direktor der Luzerner Hirslanden-Klinik St. Anna beschrieb, welche Datenberge die Spitäler den HSM-Gremien nach der Behandlung zum einzelnen Patienten zustellen müssen: «Rund 50 Datenpunkte geben wir nach Austritt unseres Patienten in ein zentrales Register ein. Seit mehreren Jahren erschaffen wir nun mit hohem personellen Aufwand umfangreiche Datenfriedhöfe». Da aber diese Daten nicht seriös ausgewertet würden, können daraus gar keine sinnvollen Erkenntnisse gewonnen werden, ob und inwieweit die Qualität in den kleineren Kliniken besser oder schlechter sei.
Ein weiteres Hauptanliegen der beteiligten Spitäler ist, dass Spitalleistungsgruppenkataloge regionalisiert werden, mit dem Ziel, dass eine bedürfnisgerechte Versorgung der Bevölkerung gewährleistet wird.

«Nähe schafft Gesundheit»: Bislang angeschlossene Spitäler


  • Spital Muri,
  • Asana Gruppe (Spital Menziken, Spital Leuggern),
  • Gesundheitszentrum Fricktal (Spital Rheinfelden, Spital Laufenburg),
  • Spital Einsiedeln,
  • Spital Lachen,
  • Spital Schwyz,
  • Kantonsspital Uri,
  • Kantonsspital Obwalden,
  • Zuger Kantonsspital,
  • Kantonsspital Glarus,
  • Hirslanden-Klinik St. Anna Luzern,
  • Andreasklinik Cham.

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