Kostenvergleich mit dem Ausland: Labors wehren sich

Der Preisüberwacher will gegen angeblich zu hohe Laborpreise in der Schweiz vorgehen. Doch die medizinischen Labors warnen vor Schnellschüssen.

, 3. Februar 2022, 13:00
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Der Eidgenössische Preisüberwacher Stefan Meierhans fordert für medizinische Laboranalysen, die Tarife künftig auf der Grundlage von Auslandpreisvergleichen festzulegen. In einem Kostenvergleich bemängelt er viel zu hohe Tarife bei den Praxislabors in der Schweiz.
Der Preisüberwacher hat dabei die Tarife der zehn medizinischen Labor-Analysen verglichen, die in der Schweiz die höchsten Kosten verursachen und zu Lasten der Grundversicherung gehen. Alle untersuchten Tarife sind in der Schweiz höher als im Ausland, wie die folgende Tabelle des Preisüberwachers zeigt. 
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Der im Vergleich zum Speziallabor höhere Tarif bei Praxislabors ist gemäss Verband auf höhere Material- und Personalaufwand zurückzuführen, da die wichtigsten Entscheidungsgrundlagen für die Patientenbetreuung sofort zur Verfügung stehen. | Screenshot Preisüberwacher

In gewissen Fällen sind die Unterschiede «unverhältnismässig gross», wie Meierhans auf der Webseite des Preisüberwachers schreibt. Insgesamt kommt er für das Jahr 2020 auf ein Sparpotenzial von über 1,5 Milliarden Franken. 

«Vergleich mit Deutschland hinkt»

Für den FAMH, den Verband der medizinischen Laboratorien der Schweiz, ist dieser Vergleich und die Summe nicht nachvollziehbar. Zum Beispiel würden die unterschiedlichen Preis- und Kostenniveaus pro Land nicht berücksichtigt, etwa die höheren Mieten oder höhere Kosten für Probentransporte, kritisiert der Verband in einer Stellungnahme.
Nebst deutlich geringeren Grenzkosten auf der Basis riesiger Auftragsmengen müssten sich die Labors in Deutschland ausserdem mit den Tarifen der Privatversicherten quer finanzieren. Nach Schätzung des Verbands liegen die Vergütungen in Deutschland für die umsatzstärksten Analysen 40 Prozent über dem gezeigten gesetzlichen Tarif.
Darüber hinaus werden in der Schweiz gemäss FAMH Laboranalysen von Laborpersonal erbracht, das über weite Strecken über höhere Qualifikation verfügt als das vergleichbare Personal zum Beispiel in Deutschland. Die Personalkosten seien denn auch der höchste Kostenblock im Labor.

Neutarifierung bereits im Gange

Der Verband erinnert gleichzeitig daran, dass der Revisionsprozess für eine neue Tarifstruktur bereits vor über einem Jahr gestartet ist. Mit am Tisch sind das Bundesamt für Gesundheit (BAG), die Labormedizin und die Versicherer. Auch ein Auslandpreisvergleich soll durchgeführt werden und in die Neutarifierung einfliessen. 
Im Lichte des bereits laufenden Revisionsprozesses der anzupassenden Analysenliste ist es für den Verband FAMH demnach unverständlich, warum sich der Preisüberwacher zum jetzigen Zeitpunkt zu den Laborkosten äussert.
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