Gesundheitspolitik: Ärzte verlieren an Vertrauen

Eine Erhebung unter Stimmbürgern besagt, wer im Schweizer Health-Business als kompetent eingeschätzt wird. Die Gesundheitspolitiker gelten da inzwischen als sicherer Wert – die Apotheker immer weniger.

, 27. Juni 2016, 08:54
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Als letzte Woche der «Gesundheitsmonitor» von Interpharma veröffentlicht wurde, fand ein interessantes Detail kaum Beachtung – nämlich die Frage: Wer versteht wieviel in der Gesundheitspolitik? Interessant dabei, dass die grosse Umfrage unter Schweizer Stimmbürgerinnen und Stimmbürgern doch bemerkenswerte Verschiebungen andeutete.
Konkret: Den Ärztinnen und Ärzten traut die Bevölkerung offenbar deutlich weniger Kompetenz zu als in den Vorjahren. Allerdings geniessen die Mediziner weiterhin das höchste Vertrauen in gesundheitspolitischen Fragen.
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Frage «Wie hoch schätzen Sie in Fragen des Gesundheitswesens die Kompetenz bei diesen Organisationen ein?» – Einschätzungen zwischen 1 und 10, Angaben in Mittelwerten Stimmberechtigte. — Grafik/Quelle: «Gesundheitsmonitor Schweiz»
Auf der anderen Seite stieg die Kompetenzzuschreibung bei den Gesundheitspolitikern. Galten sie vor einem Jahr noch als inkompetenter denn die Bundesämter, die Pharmaindustrie oder die Krankenkassen, so wurden diese Gruppen nun überholt: Mit einer Durchschnittsnote von 7,1 (von 10) erhielten die Gesundheitspolitiker die höchsten Werte seit Einführung des Gesundheitsmonitors vor zwanzig Jahren.
Dabei ist der Trend nicht einmalig, sondern – so stellen die zuständigen Forscher von gfs.bern fest – seit 2013 mit Unterbrüchen zu beobachten. 
Auf der anderen Seite war die Benotung der Ärztinnen und Ärzte doch klar rückläufig (—0,6), wobei zu beachten ist, dass die Umfrage sogar im März durchgeführt und Anfang April 2016 abgeschlossen wurde –also bevor die Differenzen um die Revision des Tarmed öffentlich wurden.
Deutlich rückläufig war auch die Beurteilung von Pharmaindustrie (6,8, –0.6) und insbesondere Apotheken (6,1, –0.9). 
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