Fabian Vaucher: «Impfen ist definitiv kein Geschäft»

Dennoch: Der Präsident von Pharmasuisse berichtet, dass Ärzte Druck machen bei Patienten gegen den Gang zum Apotheker. Und er warnt vor einer Pandemie in der Schweiz.

, 28. September 2015 um 08:00
image
  • medikamente
  • impfung
  • apotheken
  • fabian vaucher
«Bei der Ausweitung der Kompetenzen des Apothekers geht es nicht darum, den Hausärzten ihr Geschäft wegzunehmen»: Das sagt Fabian Vaucher im «Sonntagsblick» (Print). Für den Präsidenten des Apothekerverbands Pharmasuisse ist klar: «Durch die Stärkung der Apotheker werden die bestehenden Hausärzte von Bagatellen entlastet.»
Die neuen Impfmöglichkeiten für Apotheker waren ein Hauptthema des Interviews von Vaucher im «Sonntagsblick». Einige Ärzte reagierten sehr gut darauf, andere aber sähen ihre Einnahmen in Gefahr: «Das geht sogar so weit, dass sie ihre Patienten unter Druck setzen, sollten diese auf die Idee kommen, ein Medikament beim Apotheker zu beziehen oder dort eine Zweitmeinung einzuholen.»

Grosse Impflücken in der Schweiz

Jedenfalls seien die Mehreinnahmen für die Apotheker durch Impf-Dienstleistungen gering, so Vaucher: «Impfen ist definitiv kein Geschäft. Deshalb bieten es nur noch die wenigsten Ärzte an. Eine Impfung kostet zwischen 20 und 50 Franken, und womöglich kommt der Patient danach nie wieder.»
Ein Patient mit hohem Blutdruck sei zum Beispiel für die Mediziner viel lukrativer.
Weshalb also setzen sich die Pharmazeuten so sehr für die Möglichkeit ein, selber zu impfen? Vaucher erklärt dies im «Sonntagsblick» mit den grossen Impflücken, die in der Schweiz immer noch bestehen. Zum Beispiel sei die Schweiz immer schlechter gegen Masern geschützt: Da die zweite Impfdosis im jungen Erwachsenenalter erfolgt, ist es heute nicht mehr so einfach, alle Männer wie früher via Militär und alle Frauen bei der Schwangerschaft zu erfassen (da sie heute meist später Kinder kriegen).

«Die Politik sollte nun rasch handeln»

Eine Werbekampagne, wie sie das Bundesamt für Gesundheit durchgeführt hat, nütze nichts, wenn sie nicht von einfach zugänglichen Angeboten begleitet wird. Also etwa das Impfen in Apotheken. «Die Politik sollte nun rasch handeln», so Vaucher: «Eine Pandemie ist längst überfällig.»
Mehr Menschen auf engerem Raum, viele Reisen: Das sei ein idealer Nährboden für Viren und Bakterien. Umso wichtiger also, dass die Bevölkerung möglichst gut geschützt werde, vor allem auch bei der Grippe.
Artikel teilen

Loading

Comment

2 x pro Woche
Abonnieren Sie unseren Newsletter.

oder

Mehr zum Thema

image

«Book a Doc»: Medgate und Galenica bauen Teamwork aus

Bis Ende Jahr sollen Medgate-Ärzte digital in etwa 300 Galenica-Apotheken zugänglich sein.

image

Migros will mit Apotheken die Hausärzte entlasten

Die Medbase-Filialen wollen ihr Angebot ausbauen: Sie sollen zu «Points of Care» werden, sagt CEO Marcel Napierala in einem Interview.

image
Gastbeitrag von Claus Hysek

Wie man für 15 Rappen pro Monat den Apotheken-Markt zerstört

Santésuisse hat vorgerechnet, wo man bei Medikamenten sparen kann. Wir haben nachgerechnet.

image

Gesucht: Ideen, damit weniger Pillen im Müll landen

Der Nationalrat setzt ein weiteres Zeichen, dass er die Medikamentenverschwendung bekämpfen will. Es ist nicht das erste.

image

Medikamente: Der Graben wird nicht kleiner

Im Schnitt kosten die Arzneimittel in der Schweiz ein Zehntel mehr als in anderen europäischen Ländern

image

Nestlé entwickelt Pizzen und Bowls für Semaglutid-Patienten

Eine eigene Marke soll den Nutzern von «Abnehmspritzen» wie Ozempic und Wegovy die entscheidenden Nährstoffe bieten.

Vom gleichen Autor

image

Überarztung: Wer rückfordern will, braucht Beweise

Das Bundesgericht greift in die WZW-Ermittlungsverfahren ein: Ein Grundsatzurteil dürfte die gängigen Prozesse umkrempeln.

image

Kantone haben die Hausaufgaben gemacht - aber es fehlt an der Finanzierung

Palliative Care löst nicht alle Probleme im Gesundheitswesen: … Palliative Care kann jedoch ein Hebel sein.

image

Brust-Zentrum Zürich geht an belgische Investment-Holding

Kennen Sie Affidea? Der Healthcare-Konzern expandiert rasant. Jetzt auch in der Deutschschweiz. Mit 320 Zentren in 15 Ländern beschäftigt er über 7000 Ärzte.