Computer hilft den Notruf-Ärzten beim Entscheid

Die Notaufnahme des Lausanner Unispitals CHUV will mit Hilfe des Computers herausfinden, welche der vielen Notrufe tatsächlich lebensbedrohend sind.

, 19. August 2021 um 14:40
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Mehrere hundert Anrufe gehen jeden Tag in der Notrufzentrale 144 ein. Doch nur bei wenigen – etwa fünf Prozent – geht es wirklich um Leben und Tod. Die Notaufnahme des Lausanner Universitätsspitals (CHUV) beteiligt sich deshalb an einem grenzüberschreitenden Versuch.

Universitätsspital Besançon macht auch mit

Zusammen mit dem Universitätsspital der Franche-Comté in Besançon will das Spital versuchen, mit Computerhilfe die lebensbedrohlichen Notfälle zuverlässig zu erkennen – und dann die verfügbaren Rettungsmöglichkeiten möglichst gut zu nutzen.
Wenn Anrufer lebensbedrohliche Notfälle melden, sind sie oft sehr verängstigt und gestresst. Das erschwert es den Disponenten im Notruf zu erkennen, wie gefährlich die Situation ist. Der Computer soll die Disponenten deshalb bei der Einschätzung unterstützen und dann auch aufzeigen, welches Einsatzfahrzeug am besten gewählt wird.

Ambulanz oder Helikopter?

Je nach Verfügbarkeit, Wetterbedingungen und Zugänglichkeit empfiehlt der Computer eine Ambulanz oder einen Hubschrauber. Das ist besonders wichtig, wenn gerade nur wenig Fahrzeuge frei sind.
Das Projekt trägt den Namen SIA-REMU (Système d'Intelligence Artificielle pour la REgulation Médicales des Urgences). Es wird vom Bund, den Kantonen Waadt und Neuenburg sowie der Region Burgund-Franche-Comté mit insgesamt zwei Millionen Franken finanziert.

Viele Daten - aber auch menschliches Gespür

Gespiesen wird das System mit Millionen bisheriger Daten der Schweizer Notrufnummer 144 und des französischen Notrufs 15. Ziel des SIA-REMU-Projekts ist es, diese Daten und die im Laufe der Jahre gesammelten Erfahrungen der Notruf-Disponenten zu nutzen, um die Entscheidungen und die Reaktionen auf die Patienten zu optimieren.
Fabrice Dami, ein Arzt, der über die Nummer 144 Anrufe in der Notaufnahme des CHUV entgegennimmt und das Projekt auf Schweizer Seite koordiniert, betont: Der Computer unterstütze die Fähigkeiten der Disponenten zusätzlich. «Er ersetzt die Menschen aber nicht, sondern ermöglicht uns vor allem, das zu leisten, was das Gehirn allein nicht schafft.»
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