Bruderholzspital: Das Gerangel um die Initiative geht weiter

Rückzug oder nicht? Offenbar ist das Initiativkomitee gespalten. Wie weiter? Dazu gibt es neue Stellungnahmen des Bruderholz-Personals.

, 4. Januar 2017, 09:35
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Letzte Woche hiess es noch: Wir ziehen die Sache zurück. Das Initiatvikomitee zur Rettung des Bruderholzspitals zeigte sich zufrieden, nachdem Gespräche mit den Gesundheitsdirektoren Thomas Weber (BL) und Lukas Engelberger (BS) ein paar wichtige Punkte klargestellt hatten. Zum Beispiel, dass auch die fusionierte Spitalgruppe aus KSBL und USB dereinst ein Bettenhaus im Bruderholz führen werde. Oder dass die dortige Notfallstation wenigstens in eine Permanence umgewandelt wird.
Komitee-Präsident Steffen Herbert bestätigte also gegenüber der «Basler Zeitung», dass man bereit sei, die Initiative zurückzuziehen, über die im Frühling abgestimmt worden wäre. Es seien nur noch Details zu klären. 

«Das gibt es sonst nirgends in der Schweiz»

Doch wenig später kam Widerspruch auf: Via Facebook stellte das Komitee klar, «dass trotz einigen Verbesserungen aktuell die Bedingungen für einen Rückzug nicht gegeben sind.» Offenbar war es intern zum Krach gekommen, wobei – so erfuhr nun die «Basellandschaftliche Zeitung» – Hans Kummer im Initiativkomittee eine treibende Kraft auf der Gegenseite war.
Der ehemalige Bruderholz-Chefarzt sagte der Zeitung, das Grundanliegen sei «noch immer nicht erfüllt» – nämlich «das Festhalten an einer erweiterten Grundversorgung im Bruderholzspital und in geringerem Umfang im Kantonsspital Laufen. Es kann mir niemand weismachen, dass das Unterbaselbiet mit seinen 170'000 Einwohnern kein Anrecht auf ein eigenes Spital haben soll. Das gibt es sonst nirgends in der Schweiz.»

Sieben zu sieben, aber unentschieden?

Kurz: Die Retter des Bruderholz-Spitals sind sich nicht einig über das weitere Vorgehen.
Nun wiederum erfuhr die «Basler Zeitung», dass ein weiteres Mitglied der Initianten zurücktritt: Mario Bernasconi. Dies wiederum sei eine gute Nachricht für die Gegner der Initiative, folgert die BaZ. Denn: «Im Moment scheinen sieben Mitglieder eher für den Rückzug der Initiative zu sein und sieben Mitglieder für die Aufrechterhaltung der Initiative.» Die Landräte im Gremium sowie Präsident Herbert seien mit dem dem Kompromiss zufrieden und erachteten die Initiative als hinfällig. Auf der anderen Seite würden die Ärzte Hans Kummer und Ferdinand Martius sowie Ex-Spitaldirektor Rudolf Mohler alles beim Alten belassen wollen. 

Stimmen aus dem Bruderholzspital


Wie ist die Stimmung beim betroffenen Personal? Dieser Frage ging «Synapse» nach. Das Magazin der Ärztegesellschaft Baselland veröffentlichte in der jüngsten Ausgabe Stellungnahmen von Angestellten – nachdem das Personal von der KSBL-Leitung offenbar mit einem Redeverbot zum Thema «Hölzli-Zukunft» und Spitalfusion belegt worden war. 
Die anonymen Stimmen von Mitarbeitern zeigen eher eine vorsichtig-skeptische Einstellung – wenn auch keine Blockadehaltung. So meint etwa ein Angestellter:
  • «Spitäler, die bisher einen eigenen Patientenstamm hatten, sollen nun mit anderen, bisher konkurrierenden Spitälern zusammengeschaltet werden. Ein solcher Übergang braucht Zeit. Das blosse Umverteilen von Personal schafft zudem anhaltende Verunsicherung, da in der medizinischen Behandlung nicht nur die einzelne Leistung, sondern auch die Teamarbeit zählt. Diese Verunsicherung wurde durch die Kündigung von qualifizierten Chirurgen (am Bruderholzspital) noch erhöht. Das Herausbrechen von Einzelmitgliedern eines Teams erfordert ein Abwägen, inwieweit ein personeller Ersatz des Abgängers nötig ist oder ob dessen Arbeit von anderen Mitarbeitern übernommen werden kann.»
Bereits jetzt sei eine erhöhte personelle Fluktuation festzustellen, da nicht geklärt ist, welche medizinischen Gebiete am bisherigen Standort sicher fortgeführt werden.
«Gibt es weiterhin Probleme mit Asbest?»Ungeklärt sei «die Frage, wie ambulante Medizin und Chirurgie ohne Ausbau bisheriger Kapazitäten und ohne Notfallstation vereinbar sind», so eine andere Stellungnahme. Dazu kursierten bis heute verschiedene Mutmassungen und Szenarien. «So wurde einmal von ambulanter Orthopädie, einmal von kleinen Fächern wie Dermatologie oder Augenheilkunde gesprochen. Es existieren viele gute, aber auch weniger realistische Ideen. Konkreteres ist leider nicht bekannt.»Insofern stellen die Stellungnahmen in der «Synapse» auch dar, wie Gerüchte entstehen und welche Gerüchte kursieren. Unter anderem meldet ein Mitarbeiter, man höre, «dass der Altbau das Gewicht der heutigen Patientenbetten und medizinischen Apparaturen nicht tragen» könne. Weitere Fragen, die umlaufen: «Gibt es weiterhin Probleme mit Asbest, welcher verbaut wurde? Werden die elektronischen Krankengeschichten vereinheitlicht?»Ein anderer Mitarbeiter meldet, die Umverteilung der Ärztepositionen stosse «auf beschränkte Akzeptanz»: Die Berufskollegen seien verunsichert und «schauen skeptisch in ihre persönliche Zukunft, was dazu führt, dass sie einen Stellenwechsel in Erwägung ziehen. Wird der Personalbestand längerfristig reduziert werden?»Momentan sei «eher eine Umbruchstimmung zu beobachten als eine klare Führung der anstehenden Veränderung», so eine andere anonyme Feststellung. «Die an sich wünschenswerte enge Zusammenarbeit der regionalen Spitäler wird die Kantone Geld kosten, sind doch milde Renovationsarbeiten im Bruderholzspital vorgesehen und häufige Personalwechsel ebenfalls kostenintensiv. Der Glaube an Kosteneinsparungen fehlt deshalb bei vielen betroffenen Mitarbeitern des Bruderholzspitals.»
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