Arztromane: Die Liebe spriesst besonders, wenn der Helikopter benötigt wird

Was sagen uns Arztromane heute? Eine wissenschaftliche Untersuchung ging dieser wichtigen Frage nach.

, 23. Dezember 2016 um 14:30
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Zum Fest der Liebe wollen wir Ihnen eine Forschungsarbeit nahelegen, die soeben in einer der renommiertesten Fachzeitschrift veröffentlicht wurde: «The Lancet». Die Untersuchung stammt aus Irland, oder genauer von einem Psychiater des Trinity College sowie des Trinity Centre for Health Sciences in Dublin.
Brendan D. Kelly, so der Name des Psychiaters, ging nämlich den Realitäten nach, welche die Arztromane uns bieten. Sowie der Frage, was wir für den klinischen Alltag daraus lernen können. 

  • Brendan D. Kelly: «Medical romance: love never dies», in: «The Lancet», Dezember 2016.

Dabei haben wir es sogar mit einer Langzeit-Studie zu tun. Denn Kelly hatte bereits vor zehn Jahren 20 Arztromane auf ihren Inhalt hin untersucht. Heraus kam damals, dass alle heterosexuelle romantische Handlungen aufwiesen, wobei die meisten Plots in der Grundversorgung oder im Notfall-Sektor spielten (jeweils 7).
Alle zentralen männlichen Protagonisten waren Ärzte, zudem traten 11 Frauen als Ärztinnen auf. Männliche Ärzte zeichneten sich durch folgende Eigenschaften aus. Sie waren:
  • brillant,
  • gross,
  • muskulös.
In der Regel waren sie von mediterranem Typ und hatten in ihrer Vergangenheit persönliche Tragödien erlebt. Die Ärztinnen wiederum waren:
  • sachkundig,
  • schön,
  • entschlossen,
  • aber dennoch mitfühlend
Fast alle hatten im früheren Leben erhebliche persönliche und/oder berufliche Widerstände überwinden müssen.
Alle Protagonisten neigten dazu, ihr Privatleben zugunsten ihrer Patienten zu vernachlässigen. Die Patienten hatten mehrheitlich lebensbedrohliche Krankheiten, von denen sie sich aber im Verlauf der Handlung erholten.

Was hat sich in den 10 Jahren verändert?

Nun, zehn Jahre später, wandte Dr. Kelly dieselbe Testanordnung an. Erneut überprüfte er 20 medical romance novels. Was zeigte nun der Zeitvergleich?
Wenig erstaunlich vielleicht: Wieder boten alle 20 Romane heterosexuelle romantische Handlungen – wobei die übliche Paarkombination aus männlichem Arzt und weiblicher Ärztin bestand.
Und wieder tauchten 11 Ärztinnen als Hauptfiguren auf, darunter drei Chirurginnen, drei Internistinnen und zwei Kinderärztinnen.
Allerdings gab es im Jahr 2016 ein bisschen weniger Heldenärzte (minus 2), während einmal ein Krankenpfleger und einmal ein Notfallsanitäter in die männliche Hauptrolle schlüpfte. Der Trend weg von der Ärzteheldenschaft war aber noch nicht signifikant (p=0,487).

Trend zum stationären Bereich

Als greifbarste Entwicklung zeigte sich eine Bewegung hin zum stationären Spitalbereich: Spielten vor zehn Jahren erst drei Handlungen in diesem Umfeld, so waren es dieses Jahr schon 13.
Unverändert blieb die Tatsache, dass die Medizin im romantischen Umfeld auch über Diagnosen triumphiert, die in anderen Zusammenhängen glattwegs tödlich sind. Weitere Tatsachen, welche diese Art Literatur festhält:
  • Die Liebe hat eine heilende Wirkung.
  • Psychiater gibt es nicht.
  • Intensive medizinische Betreuung ist in der Lage, persönliche Tragödien hinwegzufegen.
  • Wunden heilen.
  • Herzen schmelzen.
  • Liebe findet besonders gute Voraussetzungen in Notfallabteilungen, Kinderkliniken sowie in Situationen, wo der Helikopter zum Einsatz kommt.
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