Zur ärztlichen Betreuung gehört auch das SMS

«Nehmen Sie diese Pille und lesen Sie viermal wöchentlich meine Meldung»: Vermutlich sind solche Sätze bald schon medizinischer Alltag.

, 24. September 2015, 06:10
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Eigentlich ist es logisch: Stellen Sie sich vor, sie erhalten einmal pro Tag ein SMS Ihres Arztes – er schlägt vor, wieder mal joggen zu gehen. Er erinnert Sie an die Stärken des Salats. Er fragt: Haben Sie Ihre Pillen schon genommen? Oder macht einen Spruch zum Thema Zigaretten.
Was denken Sie: Wäre Ihr Lebenstil am Ende etwas gesünder?
Eben. Der Verdacht, der sich da aufdrängt, wurde jetzt von einem Test bestätigt. Forscher der Universität Sydney nahmen eine Gruppe von 350 Herzpatienten und liessen ihnen viermal wöchentlich eine elektronische Mitteilung zukommen – kurze Erinnerungen an einen gesünderen Lebensstil. 
Eine gleich grosse Gruppe von rund 350 Patienten durchlief die üblichen Therapien und Behandlungen. 

Clara K. Chow, Julie Redfern, Graham S. Hillis et al.: «Effect of Lifestyle-Focused Text Messaging on Risk Factor Modification in Patients With Coronary Heart Disease. A Randomized Clinical Trial», in: Jama, September 2015.

Nach sechs Monaten kam es zum Vergleich. Und dabei fand das Team um die Kardiologin Clara Chow heraus, dass die be-texteten Patienten tatsächlich bessere Daten aufwiesen:
Die Cholesterinwerte waren in dieser Gruppe signifikant tiefer. Der Body-Mass-Index hatte sich eher gesenkt. Die Blutdruckwerte waren besser. Eine grössere Zahl der beobachteten Menschen schaffte es, ihren Tabakkonsum zu senken.

Bevormundung? Ach was

Natürlich kann man befürchten, dass die Patienten solch eine elektronische Berieselung durch Mediziner auch als lästig, ja bevormundend empfinden. Im australischen Versuch aber war dies kaum der Fall. Eine überwiegende Mehrheit der besagten Gruppe beurteilten das Programm als nützlich (91 Prozent), leicht begreiflich (97 Prozent) – und sie fanden auch die Frequenz in Ordnung (86 Prozent).
Kurz: Wenn der Arzt mit einer gewissen Regelmässigkeit passende Ermahnungen verschickt, könnte dies ein günstiger Weg sein, bessere Gesundheitswerte zu erreichen und Veränderungen im Lebensstil zu unterstützen.

Wie lange ist die Nachwirkung?

Einen wichtigen Punkt erfasst die Studie allerdings nicht: die Wirkungsdauer. Was geschieht, wenn die Botschaften abgesetzt werden? Ab wann war alles umsonst?
«Die Dauer dieser Effekte und folglich die Frage, ob sie zu verbesserten klinischen Resultaten führen, müssen noch bestimmt werden», so ein Fazit der Untersuchung.

  • Bild: Pexels — CC0

Siehe auch das JAMA-Editorial zum Thema:
Zubin J. Eapen, Eric D. Peterson: «Can Mobile Health Applications Facilitate Meaningful Behavior Change? Time for Answers», in: Jama, September 2015.
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