Spitalgruppe beider Basel: Und was bedeutet das für das Personal?

Wenn sich KSBL und USB im Jahr 2020 zusammenschliessen, verschwinden in einer ersten Welle wohl mehrere hundert Stellen.

, 15. September 2016, 19:17
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Ein wichtiger Satz kam gestern von Robert-Jan Bumbacher: «Die Spital-Mitarbeiter müssen keine Angst um ihre Stelle haben. Aber Flexibilität punkto Arbeitsort wird nötig sein», so der Verwaltungsrats-Präsident des Unispitals Basel zu den Folgen der Fusion.
Denn eines ist klar: Was die Regierungen von Basel-Stadt und Baselland an diesem Donnerstag verkündeten, betrifft jeden Mitarbeiter und jede Mitarbeiterin von KSBL und UBS. Aber wie, das ist noch weitgehend offen. Zumal die Umsetzung frühestens 2020 beginnt und bis 2026 dauern dürfte.

70 Millionen gleich 600 Stellen?

Dennoch herrscht zugleich Unsicherheit, was Bumbachers Satz konkret bedeutet. An der Medienkonferenz zur Bildung der neuen Basler Spitalgruppe rechneten die Gesundheitsdirektoren vor, dass durch die Fusion rund 70 Millionen eingespart werden könnten – «bei konservativer Schätzung». Der Arbeitnehmerverband VPOD rechnete also gleich weiter: Wenn in typischen Spitälern die Personalkosten etwa 80 Prozent ausmachen, dann bedeute dies ja einen Abbau von rund 600 Stellen. 
Spitalgruppe.ch: USB und KSBL haben eine gemeinsame Information-Site aufgeschaltet
So falsch muss das nicht sein. Derzeit haben Kantonsspital Baselland und Unispital Basel zusammen etwa 9'200 Mitarbeitende: Es ginge also um ein Minus von etwa 6 bis 7 Stellenprozenten. Und immerhin wurde gestern auch bekannt gegeben, dass die neugeschaffene Spitalgruppe etwa 9 Prozent weniger Spitalbetten betreiben will.
Im Grundlagenbericht der beiden Spitäler streiten die Direktionen von USB und KSBL den Grund-Sachverhalt denn auch keineswegs ab: Der Businessplan sehe einen effizienteren Personaleinsatz vor, der Personalbedarf werde deshalb zwischen 2020-2021 sinken. Aber: Danach werde die Stellenzahl wieder ansteigen, «um der erwarteten steigenden Nachfrage nach Gesundheitsleistungen zu entsprechen.»

Möglichst Stellen innerhalb der Gruppe

Zusammengefasst heisst das: Kürzerfristig Stellenabbau, weil man Doppelspurigkeiten vermeidet – längerfristig Stellenaufbau, weil die alternde Bevölkerung mehr Spitalleistungen benötigt.
Es sei ein klares Ziel – versprechen die Verwaltungsräte –, den Zusammenschluss möglichst personalverträglich umzusetzen. «Falls in bestimmten Fällen aufgrund der Angebotsverschiebung kein Stellenangebot am gleichen Standort unterbreitet werden kann, wird versucht werden, eine andere Stelle innerhalb der Spitalgruppe anzubieten.»

Weitere Arbeitnehmer-Aspekte



  • Arbeitsverträge: Privatrechtlich statt öffentlich – so der Wunsch der Spitalmanager. Aus Sicht der gemeinsamen Spitalgruppe seien Privatverträge im Rahmen eines GAV vorteilhhaft – sowohl mit Blick auf künftige Erweiterungen als auch wegen der kürzeren Verfahrenswege.
  • Lohnsysteme: Die Systeme von KSBL und UBS seien heute schon sehr ähnlich. Wo Unterschiede bei einzelnen Funktionen bestehen, sind selektive Lohnanpassungen denkbar.
  • Pensionskasse: Heute haben USB und KSBL je ein eigenes Vorsorgewerk bei der PKBS beziehungsweise der BLPK. Diese hätten eine ähnliche strukturelle Risikofähigkeit und einen ähnlich hohen Deckungsgrad, so der Bericht. Die PKBS hat aber höhere Arbeitgeberbeiträge und einen höheren technischen Zins als die BLPK. Ziel sei die Vereinheitlichung des Vorsorgeplans über die Zeit. In einer ersten Phase brauche es Übergangsregelungen.
  • Unternehmenskultur: Die Kulturen von KSBL und USB sind trotz Parallelen unterschiedlich. Man wolle daher eine «umsichtige Heranführung an eine gemeinsame Unternehmenskultur» frühzeitig in der Transformationsphase beginnen. Dies mit einer aktiven, vertrauensbildenden internen Kommunikation.

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