So sehen die Spitäler des Jahres 2050 aus

Sie bieten Einkaufszentren und Freizeit-Anlagen. Sie haben fast nur noch Einbett-Zimmer. Und viele gehören spezialisierten Konzernen: Dies zeigt ein Blick in die Zukunft – gewagt von vier Schweizer Spitalbau- und Spitalökonomie-Experten.

, 16. Dezember 2016, 08:06
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Dass unsere Spitallandschaft umgebaut wird: Es ist offensichtlich. Landauf, landab entstehen neue Spitäler, Ambulatorien, Klinikareale, Anbauten. Die Schweiz muss in den nächsten Jahren rund 20 Milliarden Franken in ihre Gesundheitsbauten investieren – so erwartet es die Beratungsfirma PwC.
Aber was bedeutet das konkret? Wie sieht die Hülle dieser Spitalbauten aus? Wie plant man sie im digitalen Zeitalter? Dazu hat PwC jetzt ein «Thesenpapier» veröffentlicht. Darin fassten vier Spezialisten von PwC sowie der Immobilienberatungs-Firma Elsener+Partner und des Architektur- und Planungsbüros IttenBrechbühl ihre Gedanken und Erwartungen zusammen.

Umzüge sind (noch) kein Thema

Ausgangspunkt sind dabei diverse Feststellungen zum Ist-Zustand und zu den prägenden Tendenzen. Zum Beispiel:
Neue Spitäler werden in der Schweiz dort gebaut, wo bereits die alten stehen. Eine Konzentration von mehreren Spitälern an einem neuen Ort oder der Umzug eines Spitals sind fast nie vorgesehen – wobei das neue Hôpital Riviera Chablais in Rennaz die auffällige Ausnahme bildet.
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Die Gesellschaft kann Dienstleistungen differenzieren; sie ist es gewohnt, dass unterschiedliche Services unterschiedlich viel kosten, und sie wird immer besser darin. Auch im Gesundheitsbereich ist dieser Trend zu spüren: Die Kassen fördern ihn mit variantenreichen Angeboten; und die Patienten spielen ihn aus, indem sie Beurteilungs-Portale zu Rate ziehen. Die neuen Spitäler werden auf die individuelleren Patientenwünsche reagieren müssen.

Verlagerung der Arbeit – auch ins Ausland

Als weitere wichtige Rahmenbedingung nennen die vier Analytiker die Digitalisierung. Sie dürfte einerseits die Patienten- und Besucherströme eher eindämmen – beispielsweise, weil gewisse Patienten dank neuer Möglichkeiten zur Fernüberwachung nicht mehr ins Spital kommen müssen.
Zugleich dürfte also ein zunehmend grösserer Teil des medizinischen Personals mit den Patienten keinen physischen Kontakt mehr haben. Das bedeutet auch: Die Arbeitsplätze müssen nicht zwingend auf dem Spitalareal stehen. Sonden sie können, so der Text, «in Shared Services Centers zusammengefasst oder – im Extremfall – ins Ausland verlagert werden».

Shop in Shop in den Kliniken

Die Klinik ist immer seltener nur Klinik. Vertikale und horizontale Integration gehören schon heute zum Spitalalltag. Auf einem Spitalareal oder in einem Gebäude arbeiten in Zukunft mehrere Unternehmen.
Was lässt sich aus solchen Überlegungen ableiten? Christian Elsener, Beat Gafner, Kurt Ritz und Jost Kutter beenden ihr Papier mit 18 Thesen, wie das Spital des Jahres 2050 aussehen und aufgestellt sein könnte. Einige – wichtige und plausible – Punkte darin wären:
  • Die Spitalimmobilien gehören national und teils auch international tätigen Immobiliengesellschaften. Einige davon sind börsenkotiert.
  • Spitäler fokussieren auf ambulante Behandlungen. Der ambulante Leistungsanteil macht drei Viertel ihres Umsatzes aus.
  • Spitalgesellschaften mit nur einem Standort gibt es keine mehr.
  • Spitalareale sind wie Städte mit Einkaufsmöglichkeiten und Freizeitanlagen.
  • Der Patientenzustand wird fernüberwacht, unabhängig vom Aufenthaltsort. 30 Prozent der Patienten sind dank ausgereifter Kommunikationsinstrumente zur Behandlung nicht in einem Spital- oder Klinikgebäude, sondern zu Hause.
  • Die Bettenzahl ist in der Folge stark geschrumpft.
  • Das typische Akutspital verfügt über 90 Prozent Einbettzimmer.
  • Roboter haben die chronischen Personallücken gefüllt: Sie sind allgegenwärtig.
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