Liebe Krankenversicherer: Richtet den Patienten ein Sparkonto ein

Wer kann entscheidend helfen, die Gesundheitskosten zu dämpfen? Die Patienten. Sie bräuchten nur passende Anreize. Ein Ökonom hat einen Vorschlag dazu.

, 20. April 2016, 07:17
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Ganz neu ist es ja nicht: Die Idee, dass man Patienten für kostendämpfendes Verhalten belohnen kann, steckt in diversen Franchise- und alternativen Versicherungsmodellen – genauso wie in den zunehmend eifrig gewälzten Plänen, einen gesunden Lebensstil via Gadgets zu fördern und dann via Krankenversicherungs-Prämie zu belohnen.
Eine viel konkretere Vorstellung legte nun aber Günter Neubauer vor; der bekannte deutsche Gesundheitsökonom und Direktor des Instituts für Gesundheitsökonomik München sprach am Fachkongress Salut in Saabrücken. Seine Idee: Die Patienten sollen an der Auswahl der Behandlungsmethoden beteiligt werden. Entscheiden sie sich für eine günstigere Methode, sollen sie von den Einsparungen direkt profitieren.

Was möchten Sie: OP oder Physio?

Die Menschen seien nicht mehr so ahnungslos wie früher, erklärte Neubauer laut der deutschen «Ärztezeitung»: «Wir leben in einem neuen Zeitalter».
Aber was heisst das konkret?
Als Beispiel nannte Neubauer einen Patienten, der sich für eine Heimdialyse statt für eine Zentrumsdialyse entscheidet: Dadurch liessen sich jährlich mehrere tausend Euro einsparen. Oder: Kranke könnten sich auch für eine Auslandsbehandlung entscheiden und so die Behandlungskosten senken. Oder: Ein Patient soll selber entscheiden ob er gegen seine Rückenschmerzen eine teure Bandscheiben-Operation wählt – oder eine längere, konservative Physiotherapie, die weniger als ein Drittel davon kostet.

Es trifft 20 Prozent der Ausgaben

Das Prinzip: Entscheidet sich der Patient im Einvernehmen mit dem Arzt für die günstigere Variante, wird die entsprechende «Spar-Summe» auf seinem Konto gutgeschrieben. Das «Ersparte» könnte er später für Zusatzleistungen einsetzen, die sonst nicht abgedeckt wären.
Neubauer will also nicht, dass die gesparte Summe einfach ausgezahlt wird – dies würde dann wohl falsche Anreize wecken.
Das Modell funktioniere nicht bei Akut- und Notfallbehandlungen, räumte der Gesundheitsökonom auch ein. Doch zumindest etwa 20 Prozent der Ausgaben im (deutschen) Gesundheitswesen liessen sich damit bewegen.

  • Mehr / Quellen:

«Kommt ein Gesundheits-Sparkonto für Patienten?», in: «Saarbrücker Zeitung»
«Gesundheitsökonom schlägt vor: Kostenbewusste Patienten belohnen!», in: «Ärztezeitung»
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