Krankenkassenprämien: Es könnte noch ein bisschen teurer werden

Der Vergleichsdienst Comparis erwartet nun, dass die Prämien 2016 um rund 5 Prozent steigen.

, 17. September 2015 um 07:52
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Nächstes Jahr werden die Prämien für die obligatorische Grundversicherung im Durchschnitt um 4,9 Prozent steigen: Diese Prognose veröffentlicht der Internet-Vergleichsdienst Comparis wenige Tage vor der Prämien-Bekanntgabe durch das BAG. 
Damit liegt der Prämienaufschlag etwa ähnlich hoch wie in diesem Jahr – für 2015 hatte das durchschnittliche Plus der Standardprämie 4 Prozent betragen; über alle Modelle hinweg schlugen die Preise um durchschnittlich 5 Prozent auf.

Die höchste Prognose bislang

Die Hochrechnung von Comparis basiert auf provisorischen Prämien von Krankenkassen, bei denen über zwei Drittel der Versicherten die Grundversicherung abgeschlossen haben. 
«Bei den 4,9 Prozent handelt es sich um einen Durchschnittswert», sagt Andreas Lüber, Krankenkassen-Experte bei Comparis. «Einige Versicherte müssen sich auf spürbar höhere Aufschläge einstellen, wenn sie bei ihrer derzeitigen Kasse, im derzeitigen Versicherungsmodell und bei der derzeitigen Franchise bleiben.»

Ein Abbild der Gesundheitskosten

Damit hat Comparis die eigenen Erwartungen nach oben korrigiert. Im Juni hatten die Comparis-Analysten einen Aufschlag im Bereich von 4 Prozent erwartet – wobei es allerdings zu Prämienerhöhungen von bis zu 20 Prozent kommen könnte. Auch Santésuisse hatte tiefere Zuschläge prognostiziert: Im Juli rechnete der Krankenkassenverband «für 2016 mit einer durchschnittlichen Prämienerhöhung von drei bis vier Prozent».
Was sind die Gründe? Wie erklären sich die Aufschläge?
Es ist wie jedes Jahr – es liegt an den allgemeinen Gesundheitskosten: «Die Prämien sind immer ein Abbild der Gesundheitskosten», sagt Andreas Lüber. Konkret nennt er den Kostenschub in Spitälern und Arztpraxen, die steigenden Ausgaben für Medikamente in der Grundversicherung sowie Bagatell-Konsultationen von Notfallärzten in Spitälern. 

Die Städte im Schnitt

Besonders hohe Anstiege – so die Analyse von Comparis weiter – werden wohl Versicherte in den alternativen Modellen, junge Erwachsene und die Bewohner der ländlich geprägten Kantone verkraften müssen.
Konkret heisst das:

  • Im Standardmodell liegen das erwartete Prämienplus bei 4,1 Prozent. Wer dagegen im Hausarztmodell versichert ist, wird 5,2 Prozent mehr bezahlen müssen. Für Versicherte im Telmed-Modell fallen 5,5 Prozent mehr Prämie an, für Versicherte im HMO-Modell sogar 6,4 Prozent. 
  • Die höchsten Prämienanstiege erwartet Comparis in Appenzell Ausserrhoden (plus 8,5 Prozent), St. Gallen (plus 6,2 Prozent) und Neuenburg (plus 6,0 Prozent). Am anderen Ende finden sich Waadt, Wallis (je plus 3,8 Prozent) und Uri (plus 3,0 Prozent). Die sehr städtisch geprägten Kantone liegen eher unter dem Schnitt: Bern plus 4,0 Prozent, Zürich plus 4,5 Prozent, Basel-Stadt plus 4,6 Prozent, Genf plus 4,7 Prozent.
  • Mit einem Prämienschub müssen vor allem die jungen Versicherten rechnen, hier erwartet Comparis ein Plus von 5,2 Prozent.
  • Je höher die Franchise, desto höher der Aufschlag – so eine weitere Faustregel aus den Comparis-Daten. Zum Beispiel dürften die Prämien von Erwachsenen mit einer 300er-Franchise im Schnitt um 4,4 Prozent steigen. Bei 2000-Franken-Franchisen fallen nächstes Jahr indes 6,7 Prozent mehr Prämie an. 


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