Kantonsspital Baselland: Droht jetzt eine Kündigungswelle?

Mehrere Kaderärzte fühlen sich offenbar schlecht informiert über den geplanten Zusammenschluss mit dem Universitätsspital Basel.

, 8. Juli 2015, 11:24
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Man kennt das aus Bern: Der Zusammenschluss eines Unispitals mit mehreren Grundversorgungs-Häusern weckt Unzufriedenheit – gerade bei letzteren. Und im Falle des Berner Zieglerspitals und des Tiefenauspitals führte die Fusionsübung zu einem dramatischen personellen Aderlass. Dutzendfach schrieben die Mediziner ihre Kündigung – neun von zehn Kaderärzten verliessen die Stadtspitäler vorzeitig (siehe etwa hierhier und hier).
Droht nun der Nordwestschweiz etwas Ähnliches? Bekanntlich planen die Basler Halbkantone den Zusammenschluss von Unispital Basel und Kantonsspital Baselland. Das Bruderholz-Spital würde dabei zu einer Tagesklinik reduziert. Die Gynäkologie, so ist bereits bekannt, soll der Bethesda-Klinik weitergereicht werden.

Sprach da keiner von Leistungsabbau?

Wie die «Basler  Zeitung» nun meldet, breitet sich damit auch eine erhebliche Frustration im Bruderholz aus. Einige Ärzte stünden vor dem Absprung. Dies nachdem bereits Ende 2013 eine ganze Reihe von Kaderärzten ausgestiegen waren.
Anonym beklagen sich die Mediziner, dass die Spitalleitung sie schlecht informiert habe. Die Rede sei stets von einer ausgebauten Kooperation zwischen USB und Kantonsspital Baselland gewesen – aber nicht von einem Leistungsabbau im Bruderholz-Spital. Obendrein habe man erst am gleichen Tag von den Zusammenschluss-Plänen erfahren wie die Öffentlichkeit.
Das Problem: Der politische Prozess des Zusammenschlusses dauert – bekanntlich soll das ganze Projekt bis Mitte 2016 konkret aufgegleist und durchbewilligt sein. Doch ein Jahr sei eine sehr lange Zeit der Unsicherheit, sagen die Ärzte zur «Basler Zeitung».

«Europaweit einzigartiges Ambulatorium»

«Ich kann verstehen, dass aufgrund der Ankündigung des Projekts bei den Mitarbeitenden viele Fragen und eventuell auch Ängste entstehen können», antwortet Kantonsspital-CEO Jürg Aebi. Es seien aber nur eine Handvoll Ärzte, die ihre Ängste streuen. Die Befürchtungen seien unbegründet, zumal allfällige Änderungen erst 2020 umgesetzt würden.
Aebi betont auch den Unterschied zur Lage in Bern: Dort war klar, dass die Fusion zum Spital Netz Bern auch Schliessungen zur Folge haben würde. Im Raum Basel aber «schliessen wir keine Spitäler; wir bauen auf dem Bruderholz ein europaweit einzigartiges Ambulatorium.»
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