In Zahlen: Die Rationalisierung in der Pflege

Die Ärzteschaft nimmt in den Schweizer Spitälern an Bedeutung zu, auch bei der Lohnsumme. Die Pflege eher nicht. Und: Die Verwaltung wächst besonders stark. Woran liegt es?

, 29. November 2017, 05:00
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Soeben erschien die neue Spitalstatistik – also der Überblick über zahllose Kerndaten im Jahr 2016, von der Anzahl Spitäler bis zur Verteilung der Fälle und Patienten. Wir verglichen nun die Personalzahlen mit dem Stand vor fünf Jahren, also 2011. Also auch: mit dem Stand vor Einführung des DRG-Systems.
Und tatsächlich zeigen die Daten der Bundesstatistiker doch, dass sich die beruflichen Gewichte innerhalb der Kliniken langsam verschieben – und wohin.

  • Die Zahl der Ärzte in allen Krankenhäusern und Spezialkliniken der Schweiz legte um einen Fünftel zu, also deutlich mehr als der Branchenschnitt.
  • Noch steiler war das Wachstum bei den administrativen Tätigkeiten: In diesem Bereich arbeiteten Ende 2016 um 21 Prozent mehr Personen als fünf Jahre zuvor.
  • Nur das therapeutische Personal legte deutlicher zu – wobei sich hier offenbar das Wachstum der Reha-Angebote niederschlug.
  • Interessant ist nun, dass auf der Gegenseite das Wachstum des Pflegepersonals in den Spitälern unterdurchschnittlich war: Das Plus betrug 13,3 Prozent.
Diese Verhältnisse spiegeln sich auch in den Lohnanteilen: Hier gehörte die Pflege zu den wenigen Bereichen, wo der Trend rückläufig war, dass heisst: Von 100 Lohnfranken, welche ein durchschnittliches Schweizer Spital heute ausgibt, gehen 34.40 Franken an die Pflege – vor fünf Jahren waren es noch 35 Franken gewesen.


Entsprechend ihrem zahlenmässigen Wachstum stieg auch der Lohnanteil der Ärzte, und zwar von gut 22 auf gut 23 Prozent der gesamten Lohnsumme.
Allerdings spiegelt dies nicht die eigentliche Gehaltsentwicklung. Dort, bei den individuellen durchschnittlichen Löhnen, erreichten die Ärzte seit 2011 ein Plus von insgesamt 3,9 Prozent (auf eine durchschnittliche Lohnsumme von 123'600 Franken pro Beschäftigtem). Bei den Pflege-Profis in den Spitälern gab es einen Zuwachs von 4,3 Prozent auf 56'700 Franken pro Person.  
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Quelle: Bundesamt für Statistik
Was sagt uns das? Wenig erstaunt über die Zahlen zeigt sich Helena Zaugg, die Präsidentin des Pflegeberufs-Verbands SBK: Es sei ja bekannt, dass der ärztliche Dienst und die Verwaltung in den Spitälern gewachsen ist. Und andere Analysen hätten schon gezeigt, dass die Anzahl der diplomierten Pflegefachpersonen pro Patient gesunken ist. Die Zahlen bestätigten also eine gewisse Rationierung bei den professionellen Pflegeleistungen.
Auch SBK-Geschäftsführerin Yvonne Ribi sichtet in den BfS-Zahlen den Niederschlag von Rationalisierungen in den Spitälern: «Der Output pro Pflegeperson wurde erhöht, was auch den massiv zunehmenden Stress erklärt, von dem unsere Mitglieder berichten.» Demgegenüber seien – gerade wegen des DRG-Systems – neue Administrativstellen geschaffen worden, so Yvonne Ribi weiter: beispielsweise Controller. «Das Spital, dem es gelingt, die DRGs zu optimieren, generiert mehr Einnahmen.»

Der Druck der 50-Stunden-Woche

Allerdings erklären noch weitere Faktoren die Verschiebungen. Darauf verweist Valerie Zadori vom Spitalverband H+: Dass die Zahl der Ärzte gestiegen sei, liege auch an der entschlosseneren Umsetzung der 50-Stunden-Woche bei den Assistenz- und Oberärzten.
Zudem spiegle sich hier die bekannte Verlagerung in den Spitälern – weg vom stationären und hin zum ambulanten Bereich. Denn dort, in den Ambulatorien, werden auch mehr Ärzte eingesetzt, während der Anteil des Pflegepersonals logischerweise kleiner ist. 

Höhere Dokumentationsanforderungen

Und obendrein spiele hier auch ein statistischer Effekt hinein: Seit 2014 müssen auch externe Personen, die in Spitälern eingesetzt werden, in der Krankenhausstatistik erfasst werden, so H+-Sprecherin Zadori. Womit insbesondere die Belegärzte neu auftauchten.
Doch auch für die Spitalverbands-Experten ist klar, dass der Anteil der Verwaltungsstellen gewachsen ist: Schliesslich nehmen die Dokumentationsanforderungen der Behörden und der Versicherer an die Spitäler konstant zu. «Und das», so Valerie Zadori, «braucht auch Personal». 
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