Hepatitis C: Fachärzte-Gesellschaften protestieren

In einem offenen Brief fordern sie, dass die teuren Kombitherapien für alle Betroffenen bezahlt werden: BAG und Pharma-Hersteller sollten sich zusammenraufen.

, 7. November 2016, 15:01
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«Wir können einem Patienten, welcher durch Blutprodukte mit dem Hepatitis-C-Virus infiziert wurde, oder einer jungen Frau, welche eine Schwangerschaft plant, nicht plausibel erklären, wieso wir diese chronische Infektion nicht behandeln dürfen»: So steht es in einem offenen Brief, der heute von diversen Schweizer Fachärztegesellschaften veröffentlicht wurde.
Anlass ist die Erweiterung der Anwendung teurer Hepatitis-C-Medikamente, welche die Behörden planen: Teure Kombinationspräparate wie Harvoni oder Exviera sollen künftig auch Betroffenen zugute kommen, welche mit anderen Viren wie Hepatitis B und HIV infiziert sind – oder aber Intravenös-Konsumenten von Drogen. Und zwar auch, wenn noch keine Leberschädigung vom Fibrosegrad 2 vorliegt.

Für universellen Zugang

Letzte Woche gab das Bundesamt für Gesundheit bekannt, mit einer Einschränkung: Das BAG fordert zugleich Preis-Konzessionen der Medikamentenhersteller.
Die Neuerung aus Bern war für die ärztlichen Experten zwar offenbar ein Schritt in die richtige Richtung – allerdings ein viel zu kleiner Schritt.
Bei Gesprächen im Vorfeld der Ankündigung habe man für einen universellen Zugang zu den neuen Mitteln plädiert, schreiben die Autoren des offenen Briefs – «im Einklang mit internationalen Behandlungsrichtlinien.» Und diese befürworteten eben eine Behandlung der Hepatitis C unabhängig vom Fibrosegrad.
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Adressaten des Schreibens sind einerseits die zwei Spitzenleute des BAG, Pascal Strupler und Oliver Peters, andererseits die nicht weiter genannten, «sehr geehrten Vertreter der Pharmaindustrie». Zwischen diesen beiden Seiten beziehen die Fachärzte keine Stellung. Es sei bedauerlich, heisst es nur, «dass es in Verhandlungen zwischen dem BAG und den Pharmafirmen bisher nicht gelungen ist, tiefere Preise festzulegen, welche einen uneingeschränkten Zugang zu diesen Medikamenten in der Schweiz ermöglichen würden.»
Die jetzige, neue Lösung, gehe jedenfalls zu wenig weit. Die Argumente: «Eine Einschränkung der Verschreibung auf bestimmte Patientengruppen führt zu einer Diskriminierung der anderen, geht mit einem massiven administrativen Mehraufwand in den Verhandlungen mit den Krankenversicherern einher und verhindert in vielen Fällen die medizinisch beste Option.»

Mehr Indien-Importe?

Zudem steige die Zahl der Patienten, die selber aus Verzweiflung Generika aus Indien importieren. 
Und so fordern die Fachgesellschaften schliesslich neue Verhandlungen zwischen BAG und Pharmafirmen. Sie seien «dringend notwendig, sodass für das Jahr 2017 Preise festgelegt werden können, welche die Behandlung für alle ermöglichen.»

Unterschrieben ist der Brief von Hansjakob Furrer und Andri Rauch (Schweizerische Gesellschaft für Infektiologie), Beat Müllhaupt (Gesellschaft für Gastroenterologie), Andrea de Gottardi (Swiss Association for the Study of the Liver), Philip Bruggmann (Swiss Experts in Viral Hepatitis) und Jan Fehr (Eidgenössische Kommission für sexuelle Gesundheit).
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